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II. Der Krieg von 1806 und 1807
russischen Traditionen und dem Willen seines Kaisers gehorchend,befahl er ein sofortiges Vorgehen, um die Franzosen wieder überdie Weichsel zu werfen. Die Anordnungen zur Ausführung ent-sprachen aber sehr wenig dem Zwecke. Buxhöwdens Armee solltegeteilt rechts und links von Bennigsen folgen, Essen gegen Warschau vorgehen. Zersplitterung der Kräfte war also auch hier dasLosungswort.
So wäre die Offensive gescheitert, auch wenn Napoleon sienicht durchkreuzt hätte, wie es tatsächlich geschah. Die Nachrichtvon der Vollendung der Bug-Narewbrücke hatte ihn sofort zu demam Feinde stehenden Korps Davout gerufen. Noch am 23. De-zember führte er dessen Truppen persönlich nach einer bewaldetenFlußinsel an der Mündung der Wkra hinüber, überschritt nachDunkelwerden den östlichen Arm dieses Flusses und griff in derNacht die russische Stellung bei Czarnowo auf dem hohen linkenTalrande an. Gegen Morgen war sie genommen und die Wkra-linie für die Russen verloren. Das russische Heer stand in Gefahr,von dem überlegenen Gegner gesprengt zu werden.
Den alten Feldmarschall verließen in dieser kritischen Lagedie Kräfte des Geistes. Er ritt bei den Truppen umher und führtewirre Reden. Erst am 26. früh verließ er die Armee, nachdem erzuvor noch den allgemeinen Abmarsch nach der Heimat angeordnethatte. Bennigsen, obschon an Dienstalter jünger als Buxhöwden,mußte notgedrungen den Befehl wieder übernehmen und ordneteden Rückzug auf Pultusk an. Diese Richtung war für die Ver-sammlung des ganzen Heeres nicht glücklich gewählt; denn dieKarte lehrt, daß ein Teil der Truppen, wenn die Franzosen nachÜberschreitung der Wkra rüstig im Vormarsche blieben, von ihnennördlich abgedrängt werden mußte.
Napoleon nahm die Versammlung der Gegner auch beiCiechanow weiter nördlich an und hoffte sie dort zur Schlachtzu zwingen.
Sie sollte endlich den Abschluß des Feldzuges herbeiführen.
Beschwerliche Tage, wie die französische Armee sie noch nichterlebt hatte, folgten. Das fortdauernde Tauwetter weichte dieWege knietief auf; Schneegestöber machte das Vorwärtskommenbeinahe unmöglich. Mühsam schleppten die langen Kolonnen sichhin; Geschütze und Fahrzeuge konnten bald nicht mehr folgen;zahlreiche Ermattete blieben am Wege liegen. Mangel herrschte