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1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
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II. Der Krieg von 1806 und 1807

L'Estocq nach Danzig zu entsenden, von wo aus es am linkenWeichselufer selbständig hätte operieren dürfen. Man hat diesenPlan als eines großen Generals würdig bezeichnet. Er konnteaber nur gelingen, wenn der Feind sich ruhig überfallen undschlagen ließ, um später untätig zuzusehen, wie sich die Russen deserrungenen Erfolges freuten. Das war einem Napoleon gegenübereine gewagte Annahme. Wenn Bennigsen Kraft und Entschlossen-heit besessen hätte, die von ihm zuerst erstrebten Vorteile durch einegroße Schlacht mit dem Kaiser zu behaupte::, dann war sein Ge-danke gut, sonst aber nicht. Zudem hätte er das Korps L'Estocq nicht nach Danzig entsenden, sondern im Gegenteil von dort nochalles heranziehen sollen, was irgend entbehrlich war. Nie kann einFeldherr vor der Schlacht stark genug sein. Auch Essen undSedmoratzki hätten den Zug mitmachen müssen, nicht bloß diesieben Divisionen, die Bennigsen bei sich behalten hatte.

Aber auch so wie Bennigsens Entwurf nun einmal war,mangelte in der Ausführung das wichtigste Element, die Schnellig-keit. Am 16. Januar, als seine letzten Truppen eben erst herankamen, war er von Bialla wieder aufgebrochen und ging mit zweigroßen Kolonnen über Rhein und Nikolaiken in der Richtung aufHeilsberg und Guttstadt vor. Das war viel zu weit nördlich, umwirksam zu sein. Zum mindesten hätte Allenstein sein Ziel seinsollen; dann wäre Aussicht vorhanden gewesen, wenigstens einenTeil von Bernadottes eiligst nach Süden hin abziehenden Truppenzu erreichen. Schleppend vollzogen sich die Märsche. Die Preußenbegleiteten den rechten Flügel.

Mit dem Vorrücken der Russen war Napoleons gemessenerBefehl au Ney zur Rückkehr in die vorgeschriebenen Kantonnementszusammengetroffen. So ward der Marschall vor einer Niederlagebewahrt. Mit einem verhältnismäßig ganz geringen Verluste kamer glücklich nach Gilgenburg davon. Nicht ganz so leicht wurde esBernadotte. Dennoch rettete auch er sich. Über Liebstadt vor-gehend kreuzten die Russen seinen Weg von Elbing und Pr.-Holland her in der Gegend von Mohrungen . Doch er erkannte rechtzeitigdie große Gefahr, sammelte, was sich an Streitkräften bei Mohrungen vorfand, und ging dem Feinde entgegen, um den noch weiter nörd-lich befindlichen Truppen den Durchzug möglich zu machen. SeineKühnheit täuschte die Russen. Die Avantgarde unter GeneralMarkow ward sogar am 25. Jannar nordöstlich Mohrungen in ein