Winterquartiere. Bennigsens Offensive 103
nischen Landesteilen Preußens weit schwieriger sei, als er zuvorglaubte. Um so mehr gedachte er alles vorzubereiten, was einekräftige Durchführung im beginnenden Frühling zu fördern im-stande sei. An eine Störung von seiten der Russen dachte er nicht.
Wie in der Natur des Landes und des östlichen Winters, sotäuschte er sich indessen auch in der Zähigkeit seiner Gegner.
Nach dem Gefecht von Soldau war Ney, dessen Umsicht beiBeurteilung der Führung des Krieges im großen mit feiner Tapfer-keit und Unternehmungslust nicht gleichen Schritt hielt, eifrig demabziehenden Korps L'Estocq gefolgt. Auch der Wunsch, die durchden Krieg schon völlig ausgesogeneu polnischen Landstriche zu ver-lassen und seinen Truppen in den noch unberührten Teilen Ost-preußens Erholung zu gewähren, trieb ihn vorwärts.
Seine Truppen weit ausdehnend, ging er bis Bartensteinvor und plante sogar einen Handstreich gegen Königsberg. DieWarnungen Bernadottes, der in vorderer Linie den Oberbefehlführen sollte, überhörte er und bot so dem L'Estocqscheu Korps dieherrlichste Gelegenheit, die Schlappe von Soldau zu rächen. Mitseinen vereinigten Truppen hätte der preußische Geueral in dasweit zerstreute Korps seines Gegners hineinfahren und es sprengenkönnen. Aber solche Unternehmungen lagen weder im Geist derZeit, noch in demjenigen des vorsichtigen L'Estocq, der nichts aufsSpiel jsetzen wollte, obwohl nur die äußerste Kühnheit noch denRest von jPreußen zu retten vermocht hätte. Als der Hof am6. Januar Königsberg verließ und er den Befehl erhielt, dieseStadt zu schützen, ging er nicht mit der ganzen Kraft, sondern nurmit einem Teil seiner Truppen und auch nicht weit, sondernlediglich bis zu dem nahen Drengfurt vor. Nicht vertreiben wollteer den Gegner, sondern verscheuchen.
Ernstere Gefahr drohte von den Russen. Der neue Ober-befehlshaber Bennigsen hatte seines Kaisers Befehl erhalten, dieFranzosen wieder über die Weichsel zurückzuwerfen, und ohne Ruhesetzte das russische Heer seine Bewegungen fort. Bennigsens Planwar, gegen die untere Weichsel vorzudringen, das Korps Ney sowiedas links von ihm bis zum Haff reichende Korps Bernadotte an-zugreifen, Graudenz zu befreien, sich mit Danzig in Verbindungzu setzen, dort in dem wohlhabenderen Gebiete Winterquartiere zubeziehen und die Verstärkungen, die ihm aus Rußland zufließensollten, abzuwarten. Sodann beabsichtigte er, das ganze Korps