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1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
Entstehung
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Benntgsens Umkehr. Johnkendorf und Bergfriede 107

Er sagt, es sei seine Absicht gewesen, noch bis Wartenburg zumarschieren, um dort die große Straße nach Königsberg hinter sichzu haben, indessen ist zweifelhaft, ob dieser Gedanke nicht erst nachden nun folgenden Ereignissen entstand.

Am 2. Februar bewegten sich die beiden Heere, das französischevon Südost und Süden, das russische von Nordwesten her gegenAllenstein . Um die im tiefen Flußtale gelegene Stadt entbrannteein heftiger Kampf. Langsam wichen die russischen Vortruppenauf ihre Armee zurück. Napoleon hoffte am 3. Februar die heißersehnte Schlacht schlagen nnd den Feind gegen die Weichsel werfenzu können.

Während der Morgenstunden fehlten ihm indessen die Kräfte,den Gegner ernsthaft anzugreifen. Bennigsen hatte seine Armeenordwestlich Allenstein bei Johnkendorf auf bedeutenden Höhen ver-sammelt. Ein tief eingeschnittener Bach floß vor der Front seinerStellung hin. Die linke Flanke an der Alle bei Bergfriede warvon ihm durch eine halbe Division gesichert. Es scheint, daß ervorübergehend der Stärkere gewesen ist und durch einen kräftigenVorstoß gegen Allenstein dem Kaiser böse Stunden hätte bereitenkönnen. Aber es fehlte ihm dazu der Entschluß und seinem Heerewohl auch die nötige Gewandtheit. So beschränkte er sich auf dasAbwarten. Napoleon traf inzwischen seine Vorbereitungen für dieUmfassung. In der Front standen Murat und zwei Divisionenvon Soult den Russen gegenüber. Die Artillerie kanonierte überden trennenden Bachlauf hinweg. Von rückwärts kamen allmählichAugereau und die Garde heran. Zur Rechten ging eine Divisionvon Soult auf Bergfriede vor, noch mehr nördlich hinausgeschobenDavout in der Richtung auf Guttstadt, seine Kavallerie weithinvortreibend. (S. Skizze 9.) Zur Linken kam Ney über Hohen-stein heran. Der Tag verging indes, ehe Kräfte genug vorhandenwaren, um zugreifen zu können. Der Schlag mußte auf dennächsten Morgen verschoben werden, und im Lager bei seineuTruppen gab Napoleon die Befehle dazu aus.

Bei Bergfriede im Alletal war es zum hin und her wogendenKampfe zwischen den Russen und Soults Division Leval gekommen.Mit Einbruch der Dunkelheit gelang es dieser, die Verteidiger nachhartnäckiger Gegenwehr aus ihrer Stellung auf dem hohen Tal-rande zu verdrängen. Gleichzeitig rückte auch Davouts Reiterei inGuttstadt ein und überfiel dort russisches Fuhrwesen. Die Nach-