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1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
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II. Der Krieg von 1806 und 1807

Der schwache Punkt lag augenscheinlich auf dem linken Flügel.Er wendete die Flanke scharf gegen Bartenstein hin, woher MarschallDavout mit seinem Armeekorps herankommen mußte. Links rück-wärts, hinter dem Wäldchen von Molwitten, fehlte eine starke letzteReserve. Das hätte die Division Sedmoratzki sein können, dieunnötig am Narew zurückgeblieben war.

Die Stärke der beiden Heere ist nicht mit Sicherheit festzu-stellen. Man kann sie aber höchstens auf je 70000 Mann ver-anschlagen. Möglicherweise war sie erheblich geringer. Berthier berichtet von nur 54 000 Mann, die der Kaiser von den 300000,welche er auf das Kriegstheater geführt, noch hier beisammen hatte.Unmöglich ist die Richtigkeit dieser Angabe nicht. Auch die Russensind auf nur 58 000 berechnet worden, und auch das erscheint nichtunglaubwürdig, wenn man an die vier Nachtmärsche und die da-zwischen liegenden Kämpfe denkt.

8001000 Meter Entfernung trennte die Heere. Der Kaiserhatte seinen Standpunkt bei der etwas hoch gelegenen Kirche ge-nommen. Er war, wie immer, zum Angriff entschlossen, und seinPlan bestand darin, mit dem rechten Flügel die Russen zu um-fassen, um sie von ihrer Heimat zu trennen, wie es der strategischenEinleitung der Tage von Eylau entsprach. Davouts rechtzeitigesEintreffen auf dem Schlachtfelde wurde dadurch von entscheidenderBedeutung. Sein Korps war noch zusammengesetzt wie bei Auer-stedt, aber durch Märsche und Verluste auf die Hälfte des altenBestandes zurückgeführt. In der Nacht hatte es den Befehl zumHeranrücken bekommen, und seine Divisionen erschienen nacheinanderin der Reihenfolge Friant, Morand und Gudin von Molwittenher auf dem Schlachtfelde. Friant traf schon mit Anbruch derTageshelle bei Serpallen ein und griff Baggowut an. DerKanonendonner mag trotz der kurzen Entfernung nicht zu hörengewesen sein, wie man aus einem anderen Phänomen dieses Tagesschließen darf. Vom Standpunkte Napoleons aus aber Übersiehtman Serpallen und seine Umgebung. Was dort vorging, kanndem Kaiser nicht entgangen sein. So erklärt sich auch sein Befehlan die Division St. Hilaire und das Korps Augereau, zum An-griff vorzugehen. Er ist zwischen 8 und 9 Uhr gegeben worden,um die große Schwenkung des rechten Flügels und der Mitte ein-heitlich zu gestalten. Während sich nun hier auf dem südöstlichenTeile des Schlachtfeldes ein blutiges Ringen entspann, dauerte bei