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1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
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II. Der Krieg von 1806 und 1807

erhielt er zunächst die traurige Meldung von der Niederlage seinerVorpostenbrigaden bei Waltersdorf, die den alten Soldaten Tränenvergießen ließ. Dann brachte ein von ihm vorausgesandter OffizierBennigsens Befehl zum Heranrücken nach Althof nordwestlich vonEylau. Von Ruhe konnte also keine Rede sein. Der sofortigeAbmarsch wurde beschlossen. Um 6 Uhr früh sollten die Truppenwieder versammelt stehen. Allein es wurde 8, ehe sie, wenigstensder Hauptsache nach, eingetroffen waren. General v. Plötz, derFührer der Reserve, ließ sagen, daß er seinen Leuten unbedingteinige Stunden der Erholung gönnen müsse. Er wurde angewiesen,der Hauptkolonne zn folgen. Diese setzte sich in Marsch. Siesollte über Wackern und Görken Althof erreichen. Die beidenschweren Batterien, die sie bei sich hatte, waren schon voraus-geschickt. Die Verzögerung aber hatte die Gefahr für das Durchkommenerheblich gesteigert. Marschall Ney kam von Orschen, wo er die Nachtverbracht, bereits bedrohlich nahe heran. (S. Skizze 11.) Leider hattenauch wieder Entsendungen verschiedener Art stattgefunden und, ohnedie Reserve zu rechnen, brachen alles in allem nur 10 Bataillone,34 Eskadrons und 2^ Batterien von Hussehnen auf. Es ginglangsam vorwärts. Auf den holprigen Wegen und bei demstarken Frost saß die Kavallerie ab und führte ihre Pferde. Dennochwar alles vom besten Willen beseelt. Offiziere und Soldaten be-griffen die Wichtigkeit des Augenblicks.Das Spiel ist groß,"hatte Scharnhorst noch am Morgen an einen Freund geschrieben.Leicht konnte Neys Angriff den Flankenmarsch kreuzen und dasKorps zersprengen. Die Spannung mag bedeutend gewesen sein.Zum Glück barg waldiges und bergiges Land, sowie ab und zuein wirbelndes Schneegestöber den Marsch. Als man Schlauthienendurchziehen wollte, war auch der Feind zur Stelle. MehrereEskadrons und Kompagnien wurden ihm entgegengeworfen. DasGefecht begann. Nach einiger Zeit ließ es sich auch am Ende derKolonne von Wackern her hören. Marschall Ney schien den Ab-marsch entdeckt zu haben. Auf Scharnhorsts Rat wurde nördlichausgebogen, dann aber wieder die östliche Richtung eingeschlagen,und die Täuschung gelang. Nur ein Teil des Nachtrabs und diezurückgebliebene Reserve unter den Generalen v. Prittwitz und Plötzwurden abgedrängt und wichen in nördlicher Richtung auf Kreuz-burg aus. Dies Städtchen war bekanntlich auch Ney als Marsch-ziel angewiesen. Der neue Befehl Napoleons , der ihn anwies,