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1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
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II. Der Krieg von 1306 und 1807

ein verstärkendes Grenadierbataillon am Pasmarflüßchen bei derMühle von Drangsitten aufgehalten. Um 1 Uhr nachmittags warL'Estocq bei Althof eingetroffen. Ein merkwürdiger Anblick botsich ihm und seinen Waffengefährten dar. Man überblickte denrechten Flügel der Russen, den linken der Franzosen bis Eylau hin,sah jeden Kanonenschuß aufblitzen und hörte keinen Ton. Lautlosschien die furchtbare Schlacht vor sich zu gehen.

Von allen Teilen der russischen Linie kamen Adjutanten, umVerstärkungen zu erbitten, aber der General gab nichts mehr her,sondern wollte die kleine Macht vereinigt an einem Punkte einsetzen.Waren ihm doch nur noch 8 Bataillone, 28 Schwadronen und2 Batterien verblieben, etwa 6000 Mann stark. Der Strom derFlüchtlinge wies ihm den einzuschlagenden Weg; er deutete an,daß auf dem linken russischen Flügel ein Unglück geschehen sei.Die Bewegung wurde daher über Schmoditten fortgesetzt; von dortaus vermochten L'Estocq und Scharnhorst den verzweifelten Standder Schlacht zu erkennen. Sogleich war der Entschluß gefaßt,Kutschitten wiederzunehmen. Gegen dieses Dorf wendete sich daskleine Korps. Von der Artillerie unterstützt, entwickelte es sichgegen den West- und Nordrand und drang in entschlossenem An-griffe ein, während 10 Schwadronen es östlich umgingen und aufder Südseite die Reste der geworfenen französischen Besatzung inEmpfang zu nehmen. Ein Adler ward dabei genommen, der derKönigin Luise zum 10. März, ihrem nächsten Geburtstage, alsGeschenk des Heeres überreicht wurde.

Nach der Wegnahme von Kutschitten ordneten die Bataillonesich von neuem und rückten dann, beleuchtet von den Strahlen dersinkenden Sonne, lind unter klingendem Spiel mit fliegendenFahnen, geordnet wie auf dem Exerzierplatze, gegen das südlichKutschitten gelegene Birkenwäldchen vor, vom Feuer der Geschützeunterstützt und vou der Masse der Kavallerie gefolgt. Nach kurzemKampfe war auch das Birkenwäldchen genommen, Auklappen vonden Franzosen geräumt und deren umfassender rechter Flügel bisauf die Kreegeberge zurückgeworfen. Dort erst kam der Angriffvor der starken französischen Artilleriestellung zum Halten.

L'Estocq stand vor der schwierigen Frage, ob er den Versuchmachen sollte, diese zu nehmen. Ein Gelingen war nicht unmöglich,aber unwahrscheinlich, und der Rückschlag hätte über das Schicksaldes Tages entschieden. Ob die russischen Generale ihre Unter-