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stützung für einen letzten Stoß zusagten oder verweigerten, ist nichtmit Sicherheit festzustellen. Der Zustand der Truppen des ge-schlagenen linken Flügels wird jedenfalls ein derartiger gewesensein, daß ihnen eine einheitliche große Anstrengung nicht mehrmöglich war. Der Oberbefehlshaber, der entscheiden sollte und beider Wichtigkeit des Augenblicks auch hätte entscheiden müssen, warnicht aufzufinden. Der bei der Armee anwesende General Knorringtraf Anordnungen zur Bildung von Sturmkolonnen. Aber dieSonne sank unter den Horizont hinab, ehe seine Befehle sich indie Tat umsetzten. Auch des Preußischen Korps hatte sich nach denvorangegangenen Märschen, nach den Leistungen dieses Tages unddem zweimaligen energischen Angriff endlich die Ermüdung be-mächtigt. Die Natur verlangte ihre Rechte. Daß L'Estocq mitseinen geringen Kräften die Kreegeberge nicht stürmen wollte, wargerechtfertigt. Marschall Davout hatte dort in Person den Wider-stand geordnet, die zurückflutenden Truppen des französischenrechten Flügels wieder zum Stehen gebracht und ihnen zugerufen,daß der Augenblick gekommen sei, um mit Ehren zu fallen: „DieTapferen werden hier einen glorreichen Tod finden, die Feiglingeallein die Bekanntschaft der Wüsten Sibiriens machen." OhneZweifel hätte er das äußerste gewagt, um die Kreegeberge zu haltenund dem schwachen preußischen Korps gegenüber war er wohlnoch immer der weit stärkere. Bennigsen scheint nach dem rechtenFlügel geritten zu sein, um dort einen Gegenangriff einzuleiten,doch führte er diese Absicht nicht mehr aus, und der günstigeAugenblick sür das Eingreifen an den Kreegebergen war verstrichen.
Um 7 Uhr abends, schon in der Dunkelheit, traf MarschallNey auf dem Schlachtfelde ein. In dem Augenblicke, als er desKaisers Befehl bei Kreuzburg erhielt, hatte er seinen Irrtum selbstschon erkannt und schlug nun auf demselben Wege, den L'Estocq marschiert war, die Richtung gegen Eylau ein. Nachdem er sichden Übergang über den Pasmarfluß eröffnet hatte, ging erweiter auf Althof vor, wo ihm das dorthin zurückgewicheneGrenadierbataillon erneut Widerstand leistete. Als er auchdieses Dorf genommen, ging sein Vortrab noch nach dem vonVerwundeten überfüllten Schloditten vor und nahm es gleich-falls nach leichtem Gefecht. Aber die russischen und die auf demrechten Flügel aufgefahrenen schweren preußischen Batterien ver-hinderten durch Kartätschfeuer in die Dunkelheit hinein jedes weitere