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II. Der Krieg von 1306 und 1807
Vordringen. Unerschütterlich hatte bis dahin der russische rechteFlügel seinen Platz behauptet; jetzt war er ernsthaft bedroht.Bennigsen beschloß daher Schloditten wieder zu nehmen, und diesgelang. Die Franzosen wichen auf Althof zurück, wo mittlerweiledie Masse des Neyschen Korps eingetroffen war. Um 10 Uhrabends ruhte der Kampf vollständig, und zahllose Wachtfeuer er-leuchteten neben den brennenden Dörfern die weiten schneebedecktenFelder.
Fünftägige Gefechte, das zweitägige Ringen bei Eylau selbst,vier Nachtmärsche und eine Biwaksnacht ohne Feuer, scharfer Frost,Hunger, Anstrengung, Beschwerden aller Art hatten die russischenTruppen entsetzlich mitgenommen, diese sich aber trotzdem mit starrerTapferkeit geschlagen. Aber auch die größte menschliche Zähigkeithat eine Grenze. Die Auflösung scheint am Abend des 3. Februarschlimm gewesen zu sein. Zahlreiche Leute begleiteten, wie esin jeder Schlacht geschieht, die Verwundeten; viele trieb derHuuger aus den Gliedern in die umliegenden Dörfer. Regimenterund Bataillone schmolzen zu schwachen Häuflein zusammen. Eineganze Division, die des Generals Ostermann, die auf dem linkenFlügel gefochten hatte, zählte nur noch 2700 Mann unter demGewehr. Mit Schrecken empfing Bennigsen die Berichte von denverschiedenen Teilen des Schlachtfeldes, die ihn überzeugten, daßer höchsteus noch über etwa 30000 Mann wirklich verfügte. DieVerluste zählten an 26000 Mann; das übrige hatte sich im Dunkelverloren. Aber drüben bei den Franzosen stand es nicht anders.Bennigsen hatte es in der Hand, zu bleiben oder zu gehen; eineder schwierigsten Entscheidungen, die an den Feldherrn herantretenkönnen, sollte jetzt von ihm getroffen werden. Der Feldherr, dereine Schlacht zuerst verloren gibt, hat sie auch in Wirklichkeit ver-loren. Im Gegensatz zu einem Teil seiner Umgebung und dempreußischen Hauptquartier entschloß er sich zum Rückzüge. Aber-mals folgte für die Überreste des Heeres ein Nachtmarsch. Unddieser ging in der Richtung auf Königsberg, dessen Nähe die ersteHilfe und Unterstützung verhieß.
L'Estocq ruhte im Augenblick nach den Anstrengungen undErregungen des Tages; der Entschluß, was steim preußischen Korpsgeschehen sollte, fiel Scharnhorst zu. Sein Schmerz darüber, daßdas Schlachtfeld verlassen werden sollte, war tödlich. Er hielt diesfür ein großes Unglück. Auf keinen Fall aber wollte er zugeben,