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1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
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Napoleons Rückzug hinter die Passarge

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Räumung des ganzen rechten Weichselufers nicht nur mehrfach er-wogen, sondern auch einige Einleitungen dazu getroffen. Aber seinumfassender Blick schweifte oft zu entfernteren Möglichkeiten hin,um durch sie nicht überrascht zu werden, ohne daß er sich schonzum Handeln entschloß. Er war keineswegs willens, sich von denVerbündeten das Gesetz geben zu lassen, sondern gesinnt, Herrseiner Bewegungen zu bleiben und im Aufgeben eroberten Landesnur das Notwendigste zu tun. Jedenfalls dachte er um jedenPreis den Schein zu wahren, daß er der Sieger fei.

So fanden die Verbündeten bereits an der Pasfarge, derenÜberschreiten zudem durch Eisgang erschwert wurde, ernsterenWiderstand. Auf dem rechten Flügel erlebten sie selbst einen Un-fall. General v. Plötz hatte sich dort mit seinen leichten Truppe»durch schnellen Vormarsch der Brücken von Braunsberg bemächtigtund war auf das linke Flußufer übergegangen. Dort sah ersich ganz unerwartet am 26. Februar von der wieder vorrückendenfranzösischen Division Dupont angegriffen, wurde geworfen undmußte auf Heiligenbeil zurückgehen. Wenn auch die preußischenTruppen, zumal ihre Kavallerie die Prittwitz-Husaren sichtapfer schlugen und Abteilungen dieses wackern Regimentes sich mitdem Säbel in der Faust den Weg durch die hinter ihnen vomFeinde schon besetzte Stadt bahnten, so war doch der größere Verlustvon Menschen und der an Gelände auf preußischer Seite. Generalv. Plötz büßte in dem unvorsichtig herausgeforderten Gefecht an700 Mann ein. Auch die Russen hatten bei Guttstadt nachteiligeBegegnungen mit dem Feinde.

Die Offensive kam zum Stehen, und "als Napoleon des Ein-drucks halber am 3. März eine allgemeine Vorwärtsbewegung längsder Alle auf Guttstadt und über die untere Passarge anordnete,da zogen sich die Russen bei Heilsberg, die Preußen in der LinieHeiligenbeilPeterswalde zur Verteidigung zusammen.

Allein der Kaiser hatte sich nur in Respekt setzen wollen, umsie von allzu heftigem Nachdrängen abzuhalten, und beabsichtigtekein größeres Unternehmen, geschweige denn eine neue entscheidendeSchlacht. So trat Ruhe ein; die Heere blieben einander nahegegenüber stehen, L'Estocq mit den Preußen vor Bernadotte an derunteren Passarge, die Russen vor Soult und Ney in der Gegendvon Mehlsack, Wormditt und Heilsberg. Die beiden Hauptquartierevereinigten sich in Bartenstein.

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