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1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
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II. Der Krieg von 1806 und 1307

Neben der Empfindlichkeit seiner langen rückwärtigen Ver-bindungslinien war es hauptsächlich die innere Verfassung seinesHeeres, die dem französischen Imperator Sorge einflößte. DerKaiser erfuhr, daß selbst Offiziere bei den Marodeuren sein sollten;das gab zu denken. Die Leiden der Truppe, die Entbehrungenund Anstrengungen hatten das zulässige Maß überschritten, unddie Auflösung, die fünf Jahre später wirklich eintrat, begann ihrenSchatten vor sich herzuwerfen. Solche Zustände können alleindurch Ruhe, gute Verpflegung und strenge Zucht gründlich ge-bessert werden, und das wieder war nur in Winterquartieren vonlängerer Dauer möglich. Danach richtete er sich nunmehr ein.Bei Marienburg, Dirschau , Marienwerder und bei Zakroczyn unweitWarschau befahl er, Brücken über den Strom zu schlagen; Thornaber, wo eine solche schon stand, sollte zu einem Hauptstützpunktegemacht werden. Der energische General Rapp wurde dorthinberufen. Die jungen polnischen Truppen sollten die Etappenlinienschützen, die zum großen Teil durch das Gebiet ihres ehemaligenKönigreiches liefen.

Wie immer in Perioden des militärischen Stillstandes warsein Geist nach anderen Richtungen in verdoppelter Tätigkeit. DieDiplomatie, welche er als die berufene Gehilfin der kriegerischenGewalt ansah und benutzte, sollte auch zu diesem Zeitpunkt helfen,seinen endlichen Erfolg zu sichern. Wenige Tage nach der Schlachtvon Eylau hatte er den General Bertrand zu König FriedrichWilhelm III. mit Vorschlägen gesandt, welche nichts anderes be-zweckten, als diesen von seinem Bundesgenossen Alexander zutrennen. General v. Zastrow, zurzeit Minister des Auswärtigen,riet im Hinblick auf die traurige Lage des Landes, darauf ein-zugehen. Der König sandte Kleist zu Napoleon nach Osterode , umweiter zu verhandeln, und dieser ward sogleich empfangen. DerKaiser sprach von Rückgabe der eroberten preußischen Lande, wennauch nur in unbestimmter Art, und Kleist brachte dieses dem An-schein nach so verlockende Anerbieten nach Memel zurück. Dortwidersetzte sich Hardenberg jedem Sonderabkommen, das Preußenvon Rußland getrennt haben würde.

Im Lande sah es ja freilich trostlos aus. Die Verwüstungdurch Freund und Feind hatte einen Grad erreicht, der nicht mehrgesteigert werden konnte. Die eigene Armee litt in den ganz aus-gesogenen Gegenden, die sie zurzeit durchzog, schon die höchste Not.