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1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
Entstehung
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133
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Verhandlungen und neue Kiiegsvorbercitungen 1ZZ

Wie sollte es werden, wenn der Krieg noch monatelang fortdauerte.Trotzdem muß man Hardenberg recht geben; denn Preußen hättesich durch die Trennung von seinem einzigen nahen und wirksamenBundesgenossen ganz in Napoleons Hände gegeben und wäre zudessen willenlosem Werkzeug herabgesunken. Die Befreiung vomfremden Joch wäre verzögert, die Wiederaufrichtung der altenGröße unmöglich gemacht worden.

Aber auch auf Österreich , ja sogar auf Nußland richtete derKaiser seine Gedanken. Es scheint, daß die Tage von Eylau inihm Bedenken hatten aufsteigen lassen, ob es ihm allein gelingenwerde, das europäische Festland zu beherrschen, oder ob es nichtbesser sei, diese Herrschaft einstweilen mit einer jener beiden Mächtezu teilen. Was später im Tilsiter Frieden zur Tatsache wurde,keimte in seinem Geiste schon in dieser Zeit.

Da er nicht der Mann war, der seine Absichten für die Zu-kunft lediglich auf den zweifelhaften Ausgang diplomatischer Um-triebe gründete, so ergriff er zugleich die umfassendsten Maßregelnzur Verstärkung seiner materiellen Macht. Alles rückwärts anTruppen Entbehrliche sollte zur Armee herankommen. Neue Ver-stärkungen wurden in der Heimat vorbereitet.

In Schlesien waren inzwischen Glogau, Breslau und Brieg gefallen; jetzt folgte ihnen auch Schweidnitz nach. Nur Glogau wollte Napoleon , seiner Lage an der Oderlinie wegen, erhalten undals Stützpunkt für die eigenen Heeresbewegungen verwerten; dieWerke der drei anderen Plätze wurden gesprengt. Die frei ge-wordenen Belagerungstruppen sollten sich auf Warschau in Be-wegung setzen, Mortier Teile seines Korps nach Thorn vorrückenlassen, den Ausfall aber durch Holländer von Hamburg her ersetzen.Diese hatten sich wiederum aus der eigenen Heimat zu ergänzen.General Clarke, der Gouverneur von Berlin , erhielt Befehl, alleverfügbaren Kräfte gleichfalls znr Weichsel vorgehen zu lassen,während ihm Kellermann aus Frankreich die neu gebildeten Regi-menter zuschicken, selbst aber wieder andere aufstellen sollte.

Um hierfür die Menschen zur Verfügung zu haben, verlangteNapoleon trotz des Widerstrebens seiner Räte schon jetzt 80 000 Mannvon der eigentlich erst zum Herbst 1808 Pflichtig werdenden Jahres-klasse. Die von 1807 hatte das ihrige bereits liefern müssen. DieEtappenstraßen hinter dem Heere sollten von nachrückenden Ver-stärkungen nicht frei werden, zwei Divisionen und einige andere