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II. Der Krieg von 1306 und 1807
großes Unternehmen gegen den Rücken der Eroberer konnte insWerk gesetzt werden. Wenn Schweden und England eines Tagestätigen Anteil am Kriege nahmen, so wäre daraus eine ernsteGefahr für des Kaisers Armee erwachsen und zum mindestenihr Rückzug hinter die Weichsel erzwungen worden. Aber leiderwurden Verhandlungen und Vorbereitungen so lässig betrieben, alshabe man jahrelang Zeit dazu.
Doch nicht nur mit der See konnte Danzig in Beziehungbleiben, sondern auch zu Lande mit Königsberg und dem russisch-preußischen Hauptheere. Die Nehrung, jene zum Teil bewaldeteDünenkette, welche sich von Danzig bis gegenüber Pillau inwechselnder Hohe hinzieht, befand sich noch in den Händen derVerbündeten. Im westlichen Teile ist sie durch die beiden großenMündungsarme der Weichsel , im östlichen durch das Frische Haffvom Festlande getrennt und ließ sich daher unschwer verteidigen.Hier konnte also, von den Franzosen unbemerkt, eine Heeresmachtüber Königsberg und Pillau herankommen, um sich mit der Be-satzung zu vereinigen.
So blieb also der Besitz von Danzig eine dauernde und ernsteBedrohung für die Franzosen.
Leider beweisen die Ereignisse, daß Napoleon , der Fremde, dieVerhältnisse weit klarer erkannte, als die Heimischen oder dierussischen Generale, die gegen ihn fochten. Er legte den höchstenWert auf die baldige Eroberung Danzigs , die Verbündeten augen-scheinlich einen viel zu geringen auf dessen Behauptung.
Die Werke der Festung hatte man vor dem Kriege, wie alleübrigen in Preußen , aus unzeitigen Ersparnisrücksichten halb ver-fallen lassen. Die in der Tiefe, am Fuße des hohen linken Tal-randes gelegene Stadt wird von zwei auf diesen Rand vorgeschobenenWerken, dem Hagels- und Bischofsberge überragt. Beide warennicht besonders stark, ja sogar nicht einmal sturmfrei. Ihre Gräbenund Erdwälle konnten unschwer überschritten werden.
Erst am 1. November, 17 Tage nach der Katastrophe vonJena und Auerstädt, erfolgte der Königliche Befehl, die Festung inBereitschaft zu setzen. Darin wurde nun wohl mehr Tatkraftentwickelt, als bei den meisten übrigen Plätzen, und schon zu EndeDezember konnte die Festung, einschließlich Weichselmündes, fürgesichert gegen einen gewaltsamen Angriff gelten. Der Hagels-und Bischofsberg hatten durch verdeckt angelegte Blockhäuser eine