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II. Der Krieg von 1ZV6 und 1807
Weichsel neuen Vorrat in die Stadt zu bringen, scheiterte, da derWind das Fahrzeug auf den Strand trieb und es nach tapfererGegenwehr die Flagge streichen mußte.
In der Nacht vom 21. zum 22. begannen die Verhandlungenwegen der Übergabe, deren Ergebnis Napoleon bereitwillig zu-stimmte, da er längst die Besserung seiner allgemeinen Lage heraus-gefühlt hatte und mit Ungeduld der Wiedereröffnung des unter-brochenen Feldzuges entgegensah. Dazu bedürfte er der DanzigerTruppen. Trotz eines energischen Protestes der mutigen Verteidigerdes Hagelsberges kam es daher auch am 24. Mai zum Abschluß.Graf Kamenskoi schiffte sich mit seinen Truppen schon am 25. einund segelte in der Nacht darauf von dannen. Die Garnison aberrückte am 27. Mai früh über die Nehrung ab. Sie hatte freienAbzug erhalten gegen die Verpflichtung, ein Jahr lang nicht gegenFrankreich oder seine Verbündeten zu dienen.
Marschall Lefebvre hielt seinen Einzug. Der Kaiser belohnteihn mit dem Herzogstitel. Rapp, von Thorn abberufen, wurdeGouverneur der Festung. Die Verteidiger hatten außer 200 Ge-schützen und dem geringen Pulvervorrat nur ein weniges anGetreide zurückgelassen. In der Stadt dagegen fanden sich reicheVorräte. Die eigene vaterländische Autorität hatte diese ausfalschem Respekt vor den Privatrechten der Bürger nicht an-zutasten gewagt. Nun gerieten sie unversehrt in Feindes Handund erleichterten es diesem, der gerade wieder schlimmen Mangellitt, den Kampf zur gänzlichen Niederwerfung Preußens fortzu-führen. Außerdem ward der Stadt noch eine Kontribution von20 Millionen Franken auferlegt.
76 Tage hatte die Belagerung gedauert, die Besatzung noch37 Tage nach Eröffnung des Feuers ausgehalten. Sie hatte sichbrav geschlagen. Trotzdem muß die Frage aufgeworfen werden,ob es richtig war, daß General Graf Kalckreuth es nicht bis zumÄußersten kommen ließ. Die Untersuchung der Kriegsereignissedurch die Jmmediatkommission stellte sich auf feinen Standpunktund gab ihm recht. Sein König empfing ihn gnädig und ernannteihn zum Feldmarschall. Vergleicht man, was die Billigkeit er-fordert, sein Verhalten mit dem Kleifts in Magdeburg oder garRombergs in Stettin , so erscheint er uns als verdienstvoller Führerim Streit. Aber der Lehre zuliebe, welche die Kriegsgeschichte demVaterlande für die Zukunft geben soll, muß es ausgesprochen