Druckschrift 
1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
Entstehung
Seite
145
Einzelbild herunterladen
 

Der Fall von Danzig

145

werden, daß der Abschluß kein befriedigender war. Sechs Tagelang hätte die Verteidigung ungeschwächt fortdauern können, beiweiser Einschränkung im Gebrauche der Mittel würde sich dieserZeitraum noch haben verlängern lassen. Der in der Festung ein-geschlossene Kommandant vermag nie zu übersehen, welchen Einflußein solcher Gewinn auf den Gang der Dinge im großen zu übenvermag. Jeder Tag kann einen unerwarteten Umschwung bringen.

Der Fall des Hagelsberges hätte keineswegs den der Stadtbedingt, die durch nasse Gräben und hohe Wälle geschützt war.Wohl hat Kalckreuth geltend gemacht, daß er die günstigen Be-dingungen, welche ihm gewährt wurden, nicht mehr erlangt hätte,sobald seine Mittel ganz erschöpft waren. Der freie Abzug mitmilitärischen Ehren konnte der Garnison eine Genugtuung ge-währen; für das Vaterland hatte er keine Bedeutung; denn eineTruppe, die erst nach einem Jahre weiter gegen Frankreich fechtendurfte, war für Preußen ohne Wert.

Im Augenblicke, da alle Verteidigungsmittel zu Ende gingen,blieb aber der Besatzung noch der Versuch der Selbstbefreiungübrig, wie ihn General v. Hammerstein bei Menin so glänzenddurchgeführt hatte. Ein Durchbruch auf der Nehrung, zumal so-lange er noch durch das Kamenskoische Entsatzkorps unterstütztwerden konnte, besaß so viel Aussichten auf Erfolg, als man sieunter ähnlichen Umständen nur erwarten durfte.

-i- ->-

Den Stempel der Schwäche und Halbheit, der den Anstalten derHauptarmee zur Rettung Danzigs aufgeprägt war, trug auch derVersuch der Schweden , Napoleon in feinen Rüstungen und Vor-bereitungen für einen neuen Feldzug zu stören. Im schwedischenVorpommern standen bis dahin 15 000 Mann, welche der gemein-samen Sache keinen anderen Dienst leisteten, als daß sie Teile desKorps von Mortier im Mecklenburgischen und an der Peene fest-hielten. Zu Ende Januar griff der Marschall sie sogar an, drängtesie auf das feste Stralsund zurück und schloß diesen Platz ein. Soblieben die Dinge den Februar und März hindurch. Dann rückteMortier mit dem größeren Teil seiner Truppen ab, da ihm dieSicherung der ganzen Küste von Rostock bis Kolberg und auch dieBelagerung dieser Festung übertragen wurde. Nun ging derschwedische General Essen seinerseits vor, aber nicht mit ganzer

Frhr. v. d. Goltz, Kriegsgeschichte 10