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1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
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II. Der Krieg von 1860 und 1807

Kraft, sondern nur mit etwa S000 Mann, vertrieb die schwachenEinschließungstruppen und marschierte auf Stettin . Einen Augen-blick dachte Napoleon an einen Vorstoß seiner Gegner aufBerlin . Dieser hätte ihn in ernste Verlegenheit bringen können;denn keine stärkere geschlossene Truppe stand in der Nähe zurVerteidigung, sondern nur einige neugebildete und noch wenigbrauchbare Regimenter, die sich auf dem Marsche zur Armee be-fanden. Bald aber schwand der ganze Spuk; der nach Stettin zurückgeeilte Mortier überfiel die schwedische Vorhut und scheuchteEssens Truppen wieder auf Greifswald zurück. Dort wurde sogarein Waffenstillstand vereinbart.

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Der Kaiser hatte in seinem Hauptquartier zu Finkenstein inzwischen die in Osterode begonnene rastlose Tätigkeit fort-gesetzt. Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß er anfänglichseine Lage als eine wenig befriedigende empfand. Der Feldzughatte im Oktober 1806 mit unerhörten Erfolgen begonnen, die insolcher Schnelligkeit und Ausdehnung niemand vorausgesehen hatte.Die Monarchie Friedrichs des Großen, welche der Welt bis dahinals die einzige dem erstarkten Frankreich ebenbürtige Militärmachtgegolten hatte, war in einem Feldzuge von wenig Tagen völligzusammengebrochen. Von der einst so gefurchtsten Armee bliebnach der Niederlage nur noch ein kaum beachtenswerter Rest übrig.Kein Wunder, wenn ganz allgemein die ebenso reißende Beendigungdes Krieges erwartet wurde. So war es 1806 nach der ein-leitenden Periode von Ulm durch die Schlacht von Austerlitz ge-schehen. Statt dessen war der lange Aufenthalt an der Weichsel und der entscheidungslose Feldzug gegen die Russen am Narew gefolgt, in dem die große Armee mehr gelitten hatte, als je zuvor.Sie war dem Sterne ihres Kaisers willig gefolgt, aber doch in derÜberzeugung, daß alsbald neue glänzende Siege das überstandeneUngemach vergessen lassen würden. An deren Stelle war sechsWochen danach die blutige Schlacht von Eylau gefolgt, derenAusgang trotz des Scheinerfolges weder den Kaiser noch seineMarschälle befriedigt hatte. Selbst die Armee hatte ihren Mißmutunverhohlen zu erkennen gegeben. Ihre Mannszucht war bedenk-lich gewichen.

So durften die Dinge nicht weiter gehen. Der Usurpator