Der französische Angriff
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französischer Seite das Zeichen zum Beginn. Marschall Ney rücktevor. Lebhaftes Schützenfeuer begann im Sortlacker Walde, undschon nach einer Stunde waren die russischen Jäger von der Über-macht ins Freie gedrängt. Die Franzosen folgten mit vorge-nommenem rechtem Flügel. Bedenklich näherte sich dieser Friedland.Allein er geriet damit gegen den weit nach Westen vorspringendenAllebogen südlich der Stadt, ward vom anderen Ufer her kräftigunter Artilleriefeuer genommen und kam zum Stehen. Ney sahsich in kritischer Lage, als nun die russische Kavallerie zur Attackeanritt und gleichzeitig die Petersburger Garden zum Gegenangriffevorbrachen. Sein Korps geriet in Unordnung.
Die Kavallerie von Latour-Maubourg schaffte ihm mühsamLuft und hielt die Russen so lange auf, bis die Mitte der fran-zösischen Armee in den Kampf eingreifen konnte. Es erfolgte hierder berühmt gewordene Artillerieangriff des Generals Senarmont,der mit 28 Geschützen des ersten Korps unerschrocken und dereigenen Verluste nicht achtend, bis auf nahe Entfernung an diedichtgedrängten russischen Massen heranging und Tod und Ver-derben in diese hineinsandte. Die Lage des russischen linken Flügelswurde eine immer schlimmere. Fürst Bagration ließ die Vorstadtvon Friedland anzünden, um den Feind aufzuhalten, und ver-sehentlich wurde das Feuer auch an die Brücken gelegt.
Nur eines noch hätte das Schicksal des Tages wenden unddie russische Armee retten können — ein entscheidender Angriffihres starken rechten Flügels gegen Mortier und Grouchy. DieWegnahme von Heinrichsdorf würde den Bedrängten wirksame Hilfegebracht und ihnen wenigstens einen freien Abzug nach dem rechtenUfer ermöglicht haben. Aber Fürst Gortschakow rührte sich nichtund gab selbst den Befehl zum Rückzüge erst verspätet, als schonum Friedlaud gekämpft wurde.
So mußte die Niederlage des linken Flügels eine vollständigewerden. Nur ein Teil desselben konnte über die brennendenBrücken abziehen, der andere suchte sich durch den Fluß zu retten.Um 8 Uhr abends war die Stadt in den Händen der Franzosen .Die Brücken standen in hellen Flammen. Als Fürst Gortschakow bei Friedland ankam, bahnte seine brave Infanterie sich zwar nochbis zu den Brückenstellen den Weg durch den Feind, fand dieÜbergänge aber schon bis zum Wasserspiegel niedergebrannt. EinTeil suchte nun bei der Stadt durch Furten das andere Ufer zu