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1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
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II. Der Krieg von 1806 und 1307

dann die Festung übergeben, wenn wir sehen, daß man sich nichtlänger, ohne unweise zu sein, halten kann." Die Verwaltungtat alles, um jede energische Maßregel zu verhindern. Es klingtunglaublich, ist aber wahr, daß nicht nur freigewordene Kriegs-gefangene und versprengte Soldaten, die sich zum Dienste meldeten,abgewiesen, sondern auch 8500 schon versammelte Rekruten wiederentlassen wurden.

Napoleon entsandte seinen Bruder Jerüme mit dem bayerischenund württembergischen Kontingent gegen Schlesien, und dieser legtesich zuvörderst vor Glogau als den die französischen rückwärtigenVerbindungen am nächsten bedrohenden Platz. Nach kurzer Be-schießung öffnete General v. Reinhart am 3. Dezember die Tore,um die Stadt vor dem Ruin zu schützen.

Am 7. Dezember kam Breslau an die Reihe, das aber zeit-weise nur von ganz schwachen Kräften eingeschlossen war. Dermittlerweile in Schlesien eingetroffene Generalgouverneur FürstPleß unternahm zwar zu Ende des Monats einen schwächlichenEntsatzversuch, richtete aber nichts mehr zur Rettung der Provin-zialhauptstadt aus, die am 5. Januar kapitulierte.

Wohl wäre Breslau mit seinen nicht unbedeutenden Vorrätenan Geschützen und Gewehren, sowie seiner Garnison von 6000 Mannzu retten gewesen; denn die Besatzung der anderen Festungen zählteum die Mitte Dezember schon an 22000 Mann. Ein ganz tüchtigesKorps von IS16 000 Mann hätte sich herausziehen lassen, umBayern und Württemberger zu vertreiben. Ein braver undenergischer Mann, Rittmeister v. Lüttwitz, hatte diesen Vorschlaggemacht, aber keinen Anklang gefunden.

Nun wurde am 8. Januar Brieg, am 16. Schweidnitz ein-geschlossen, und Fürst Pleß, der alles Heil vom Eingreifen Öster-reichs , nicht von der eigenen Kraft und Tüchtigkeit erwartete, legtesich aufs Verhandeln. Prinz Jerüme war bereit, auf ein Ab-kommen einzugehen, allein der kaiserliche Bruder untersagte es ihmin herben Worten. Brieg kapitulierte am 16. nach kurzem Bom-bardement in schmählicher Übereilung, und der dadurch entmutigteFürst Pleß zog sich mit den wenigen Truppen, die er im freienFelde hatte, nunmehr in die Grafschaft Glatz zurück.

Ähnlich wie mit Brieg erging es mit dem weit stärkerenSchweidnitz , dessen beide Kommandanten den Platz am 16. Februarohne Not an den Feind übergaben. Nur Kosel hielt sich unter