181
dein alten ehrenfesten Oberst v. Neumann, und als dieser währendder Belagerung starb, unter dem 71jährigen Oberst v. Puttkammerwacker, obgleich auch hier ein Teil der Besatzung recht unzuverlässigwar. Die Ereignisse von Eylau kamen dem bedrängten Platze unddem ebenfalls belagerten Neisse insofern zu Hilfe, als Napoleon einen Teil seiner Truppen aus Schlesien zur großen Armee berief.Die Belagerung verwandelte sich in lockere Einschließung. Erstim April wurde diese vor Kosel wieder enger gezogen und Neissebombardiert.
Inzwischen hatte sich Fürst Pleß in unbegreiflicher Schwächenach Österreich in Sicherheit gebracht, und der König den GrafenGötzen zum Generalgouverneur ernannt. Dieser fand, aus Wien heimkehrend, wohin er eine Sendung gehabt, die Verhältnisse rechttraurig vor. Bei einem Versuche, von der Grafschaft Glatz ausSchweidnitz zu entsetzen, war der größere Teil der Feldtruppengesprengt worden. Zur Neubildung fehlte es an Waffen. Dennochhob er sofort Rekruten aus und begann mit den Resten seinerMacht einen erfolgreichen Kleinkrieg, griff auch eine größere unterdem General Lefebvre bei Frankenstein gegen Glatz aufgestellteAbteilung an. Hier blieb der Erfolg freilich aus. Aber der Feindwurde dauernd beunruhigt und zuletzt, als aus Österreich auchGewehre eingetroffen waren, ein kühner Zug gegen das nur schwachbesetzte Breslau geplant, der in der Nacht zum 11. Mai begann.Leider fehlte dem Führer, Major v. Losthin, nach glücklichemGefechte am 14. morgens bei Kanth gegen den von Frankensteinherbeigeeilten General Lefebvre, der Entschluß, auf Breslau weiterzu marschieren. In dem Glauben, daß der Feind sich dort ver-stärkt habe, kehrte er um, ward auf dem Rückweg überfallen, ge-fangen und sein Streifkorps geschlagen.
Bei Neisse und Kosel wurde mittlerweile verhandelt und, eheGraf Götzen es hindern konnte, die Übergabe dieser allerdings sehrbedrängten und in ihren Verteidigungsmitteln fast erschöpften Plätzefür den 16. Juni und 16. Juli vereinbart. Nun hatte der FeindFreiheit, sich gegen Glatz, den Herd von Graf Goetzens kriegerischenUnternehmungen, zu wenden. Das die Stadt schützende, in Eileverschanzte Lager wurde am 24. Juni von den Franzosen erstürmt.Jetzt bequemte auch der Graf sich zu einem Abkommen mitJeröme, das den bestehenden Zustand bei Waffenruhe bis zumFriedensschlüsse fortdauern ließ. Auf diese Art blieb der Rest von