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1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
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Bedeutung der fridertztanischen Tradition 195

Tugenden zu besinnen. Die Tradition der stolzen MonarchieFriedrichs machte sich allmählich wieder geltend. Ohne sie wäredie Erhebung im Volke nicht möglich geworden; dies muß ihremAndenken zur Ehre gesagt werden. Der Gedanke, daß ein so kraft-volles Staatswesen, wie sie es gewesen war, nicht nach einereinzigen Niederlage verschwinden könne, richtete die Gemüter all-mählich wieder auf und gab ihnen den Glauben an bessere Zeitenzurück. Der preußische Name, der Friedrichs Heldengestalt vor denBlicken erstehen ließ, hielt die äußerlich beinahe getrennten Pro-vinzen zusammen. Wären sie nicht durch den Großen Kurfürstenund den großen König miteinander vereinigt, sondern durch Zufällig-keiten oder glückliche Verträge zusammengeschmiedet worden, wiejetzt das Königreich Westfalen , niemals hätte sich in ihnen dieEinmütigkeit in dem Streben nach Wiederherstellung der altenGröße kundgeben können. Das soll von denen nicht vergessenwerden, die in der Vernichtung des alten Staates allein das Heilfür den neuen Zustand sehen. Auch die Armee wäre nimmerwieder erstanden ohne das alte Offizierskorps, das in sie den Sinnder Ritterlichkeit und der strengen Pflichterfüllung hinübertrug.

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. Kaum war nach dem Abzug der Franzosen einige Ruhe indas Land zurückgekehrt, als eine neue Krisis herannahte. Derhartnäckige Widerstand der Spanier erregte die Gemüter in Öster-reich , wo seit 1805 viel für die Verstärkung des Heeres geschehenwar und die öffentliche Meinung in dem jungen Erzherzog Karleinen Napoleon ebenbürtigen Feldherrn gefunden zu haben glaubte.Der Krieg wurde durch die allgemeine Stimmung unvermeidlich,Österreich am Ende sogar zur angreifenden Macht. Mitte Februar1809 war der Krieg beschlossene Sache. Aber der kühnen Politikentsprach seine Führung nur wenig. Die Unfertigkeit der be-gonnenen Reformen, namentlich in der Aufstellung der geplantenzahlreichen Landwehr, erklärt dies zum Teil. Statt die Entscheidungdurch rasches Vorgehen gegen die in Deutschland zurückgebliebenenfranzösischen Kräfte von Hause aus an den Rhein zu verlegen,zögerte man mit der Eröffnung der Feindseligkeiten und ließNapoleon Zeit gewinnen, für Verstärkung zu sorgen und den in

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