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III. Die Wiedererhebung
Thüringen stehenden Marschall Davout nach dem Süden heran-zuziehen. Dies bewog Erzherzog Karl , auf seinen ersten Planeines Angriffs nördlich der Donau , der des Marschalls Truppenvom übrigen Heere trennen sollte, zu verzichten, um mit den Haupt-kräften südlich des Stromes, zunächst auf Landshut , vorzudringen.Drei kostbare Wochen gingen über dieser Änderung verloren. Erstam 10. April überschritten 126000 Mann den Jnn bei Mühlheim.Dann folgte ein langsamer Vormarsch zur Jsar. AnhaltendeRegengüsse, schlechte Straßen und Verpflegungsschwierigkeiten hieltenihn auf. Erst am 16. April wurde Landshut erreicht und einedort stehende bayerische Division vertrieben. Nun ging es weiterauf Regensburg zu, wohin aus Böhmen die übrigen 50000 Mannunter Bellegarde gleichfalls im Vorgehen waren. Der Erzherzogbeabsichtigte, seine nördlich und südlich der Donau stehenden Gegnerzu trennen und sie dann vereinzelt zu schlagen. Berthier , der inNapoleons Abwesenheit den Oberbefehl im französischen Heere führte,kam dieser Absicht Wider Willen entgegen. Er vermochte wohl,seines Kaisers Gedanken in Befehle umzuwandeln, war aber nichtfähig, dessen geniale Pläne durch eigene zu ersetzen. Statt, wieNapoleon es gewollt hatte, das Heer beim österreichischen Einbruchin Bayern rückwärts bei Augsburg und Jngolstadt zu versammeln,suchte er es weiter vorwärts nach Regensburg zu vereinigen, zer-splitterte es dadurch aber gerade im entscheidenden Augenblicke; dennals Davout sich dem Ziele näherte, stand die Masse der Armeenoch weit ab bei Augsburg, Ulm und Aalen .
Fast wäre es dem Erzherzoge gelungen, sich in die klaffendeLücke zu werfen und Davout in der Vereinzelung zu fchlagen, alsdas Blatt sich wendete. Der optische Telegraph hatte dem Kaiserin Paris am 12. den Übergang der Österreicher über die Grenzegemeldet. Vier Stunden darauf war er nach Deutschland unter-wegs, erreichte Donauwörth am 17., rief Davout von Regens-burg gegen Jngolstadt zurück, befahl den übrigen Korps denVormarsch ebendorthin und beauftragte den Marschall Lefebvre,der die Bayern kommandierte, an der Abens die Versammlung zusichern.
Davout verspätete sich beim Abmarsch und lief am 19. Aprildem Erzherzoge Karl in den Weg. Allein es fehlte auf öster-reichischer Seite die Einheitlichkeit des Handelns. Nur einzelne Teiledes Heeres traten bei Thann und Abensberg ins Gefecht, während die