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III. Die Wiedererhebung
Hebung Tirols gegen die eingedrungenen Bayern riefen in ganzDeutschland eine ungeheure Erregung hervor. Der Haß gegen denUnterdrücker begann sich fühlbar zu machen. Napoleon sollte dasgeduldige deutsche Volk, von dem er keine Gewalttat erwartete,nicht wiedererkennen. In Württemberg kam es zu einer Erhebunggegen die neuen Herren, die durch Napoleons Gnade ihr Gebietvergrößert hatten. Die noch preußisch gesinnten Ansbacher emp-fingen ein fliegendes Korps, das Karl v. Nostiz durch Franken heranführte, mit offenen Armen, und in Nürnberg wurden diebayerischen Wappen von den Toren gerissen, als jenes sich näherte.Der Herzog von Braunschweig , der Sohn des unglücklichen Feld-herrn von Auerstedt, schloß sich mit der von ihm geworbenenschwarzen Schar den Österreichern an, um seine Fehler von Lübeck wieder gutzumachen, und begann den Parteigängerkrieg gegen diesächsischen Lande. In Westfalen kam es zu Schilderhebungen, undselbst gegen Magdeburg wurde eine Überrumpelung versucht. Warendiese Unternehmungen auch noch Plan- und zusammenhanglos, sozeigten sie doch deutlich, daß der Geist der stummen Unterwerfungnuter den Willen des Gewaltigen gewichen sei, und ließen denKaiser ahnen, was ihm bevorstand, wenn er ernstere Niederlagenerleiden sollte.
Im preußischen Heere und Beamtentum regte es sich mächtiggegen die Fremdherrschaft. Alles drängte auf einen Losbruch, undein hitziger Kopf, Schill, einer der Helden von Kolberg, ging mitdem Beispiel der Eigenmächtigkeit voran — ein unerhörter Fall inder preußischen Armee. Er führte sein in Berlin stehendes Husaren-regiment, das der König ihm zum Lohn für seine Auszeichnungverliehen hatte, selbständig gegen die Unterdrücker. Aber die er-hoffte allgemeine Volkserhebung blieb aus. Noch waren Napoleons Ansehen und die Macht seines Namens zu groß, um die Massen denMut zum Durchbrechen der Schranken finden zu lassen. Nach einen:verunglückten Zuge gegen Westfalen fand Schill ein tragisches Endein Stralsund, das er zu einem zweiten Saragossa hatte machenwollen.
Auch die Vorstöße der Österreicher von Eger gegen Bayreuth ,Bamberg und Nürnberg, sowie von Teplitz gegen Dresden warenohne weitreichenden Erfolg geblieben. Die dazu verwendetenTruppen wären bei der Hauptarmee nützlicher gewesen.
König Friedrich Wilhelms III. Lage zwischen Napoleons Miß-