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1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
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III. Die Wiedererhebung

bereits durch die Russen bedroht wurde. Bei Znaim an derThaya kam es am 10. und 11. Juli von neuem zum Kampfe, derjedoch schon durch den Waffenstillstand unterbrochen wurde.

Jetzt war es Napoleon auch möglich, bedeutende Kräfte nachTirol zu werfen, das sich dreimal befreit hatte. Die Übermachtmachte der heldenmütigen Erhebung ein Ende, da Österreich seineUnterstützung zurückzuziehen gezwungen war.

Rußland, in diesem Kriege der sonderbare BundesgenosseFrankreichs und des Herzogtums Warschau , hatte zwar wenigErnstes getan, aber doch ein starkes österreichisches Korps unterErzherzog Ferdinand vom Kriegsschauplatze abgelenkt.

Der Wiener Friede vom 14. Oktober beschloß den Krieg, derÖsterreich neue bedeutende Gebietsverluste brachte und es zudempolitisch für die nächsten Jahre in Frankreichs Arme trieb.

Z. Die Rückkehr des Asnigs nach Berlin . Hardenberg

Am 23. Dezember 1809 verlegte König Friedrich Wilhelm III.sein Hoflager wieder nach Berlin. Es geschah in der für Preußen trübesten Periode, aber der Jubel, der den heimkehrenden Königin seiner Hauptstadt empfing, kündete ihm an, daß das Volkerwacht sei. Die während des österreichischen Krieges betriebenenRüstungen hatten die geringen Geldmittel des Staates völligin Anspruch genommen und zu der unklugen Maßnahme ver-leitet, die Zahlung der Kriegskosten an Frankreich vorübergehendauszusetzen. Dies gab dem siegreichen Kaiser Anlaß zu dendrückendsten Forderungen. Seine Drohungen ließen in Berlin sogar die teilweise Abtretung Schlesiens erwägen, der selbst einScharnhorst zustimmte und nur der König nicht anbieten wollte. Zualledem traf am 19. Juni 1810 das Land der schmerzlichste Verlustdurch den Tod der Königin Luise , die es seit dem großen Unglückals seinen Schutzgeist verehrt hatte. Doch gerade während dieserdüsteren Wochen im Sommer 1310 erfolgte ein entscheidenderSystemwechsel in der inneren Politik, der die Bemühungen fürPreußens Rettung in neue Bahnen lenkte.

Der Vorschlag abermaliger Gebietsabtretungen hatte dem Königdie Unzulänglichkeit des auf Stein gefolgten ZwischenministeriumsDohna-Altenstein deutlich vor Augen geführt. Er empfand die