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III. Die Wiedererhebung
und zwei Stunden darauf begann der Übergang. Das Korpsblieb dann aber bis zum 28. noch Tauroggen gegenüber stehen.An diesem Tage erst wurde die russische Grenze überschritten. Einschneller Vormarsch folgte. Wie bei der „großen Armee" so warer auch hier, infolge unzureichender Anordnungen und Vorberei-tungen, schon von Stockungen, Verpslegungsschwierigkeiten, Un-ordnung, Entbehrung und großer Anstrengung für die Truppenbegleitet. Bis Rossiena, wo es am 1. Juli eintraf, blieb dasKorps vereint. Dort stand es bis zum 11. Juli still und sandtenur gemischte Abteilungen nach Ponewesch, Schawli und Telschevor. Aorck wurde nach Memel entsendet, dessen starke BesetzungNapoleon verlangte.
Ein Schreiben des Kaisers vom 7. Juli empfahl dem Marschallden Dünaübergang, und Macdonald zog den größten Teil seinesKorps bei Ponewesch zusammen. Aber erst als Napoleon schrieb,daß er vom 13. bis 20. Juli eine Schlacht an der Düna erwarteund Macdonald die bei Riga stehenden Russen jedenfalls festhaltenmüsse, setzte er sich am 16. Juli gegen Bauske in Bewegung, wo,einem Gerücht zufolge, stärkere feindliche Kräfte stehen sollten. Am18. aber besetzte die Avantgarde der Division Grandjean den Ort,aus dem sie eine schwache feindliche Abteilung vertrieb, und nunfaßte der Marschall den Plan, mit dieser Division auf Friedrich-stadt und Jakobstadt an die Düna vorzustoßen, mit den preußischenTruppen aber Riga auf der Südseite abzuschließen. Deren Wegführte über Eckau. Dort stand eine vorgeschobene russische Ab-teilung von 6000 Mann und 10 Geschützen.
Am 19. Juli kam es daher zum Gefecht von Eckau, demersten, das Preußen und Russen seit dem Siebenjährigen Kriegegegeneinander bestanden. General Grawert griff die in einem Fluß-winkel der Eckau stehenden Russen an und zog Kleist , der zurRechten entsendet war, gegen deren linke Flanke gleichzeitig heran.Er errang mit etwa gleichen Kräften an Infanterie, aber dreifacherÜberlegenheit an Artillerie einen vollständigen Erfolg. Seine Ver-luste waren gering. Über 300 Gefangene, eine Fahne und dreiMunitionswagen fielen in feine Hand. Die Russen hatten außer-dem einige Hundert Tote und Verwundete. So unbedeutend derVorgang im Vergleich zu den großartigen Ereignissen auf demHauptkriegsschauplatze auch erscheinen mag, war er für das preu-ßische Korps doch von Bedeutung als erste Waffenprobe der er-