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1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
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Gefecht von Eckau

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neuerten Armee. Sie hatte die Prüfung gut bestanden. DasMißverhältnis bei der Einbuße auf dem Gefechtsfelde sprach deut-lich dafür, daß ihre jetzige Fechtweise durchaus zweckmäßig war.Dies gab der ganzen Armee Sicherheit und Vertrauen zu ihrenneuen Lehren und Vorschriften. Das Jnfanteriereglement vomIS. Januar 1812 enthielt in der Tat schon manche Elemente desmodernen Gefechts, so auch die Grundlagen unserer späteren Kom-pagniekolonnentaktik. Die Infanterie sollte im offenen und durch-schnittenen Gelände, gegen zerstreute und geschlossene Truppenfechten können, und jeder abgesonderte Haufe, sei es Bataillon,Kompagnie oder Zug in seinen verschiedenen Gliedern das Mittelfür beide Fechtarten besitzen.

Die Division Grandjean war inzwischen am 13. nach Schön-berg abgerückt und ging von dort weiter zur Düna vor. Macdonald,erfreut über den Erfolg von Eckau, befahl nun, daß die Preußenden Feind, der noch bei Dahlenkirchen stand, unter die Mauernvon Riga zurückwerfen sollten. Grawert ging bis zur Missa vor,während eine Seitenabteilung Mitau , die Hauptstadt von Kurland,besetzte. Bald ging der Feind auch von Dahlenkirchen zurück, dasvon Grawerts Vorhut erreicht wurde. Da Macdonald Mitau zumHauptstapelplatz für das preußische Korps bestimmte, so folgte derGeneral nicht weiter, sondern ließ nur seine Vorhut bei Dahlen-kirchen stehen und marschierte links ab nach Olai zwischen Mitau und Riga. Trotzdem verbreitete der Schrecken sich in Riga .Übereilt wurde Feuer an Baulichkeiten gelegt, die der Verteidigunghinderlich waren, und ein daraus entstehender mehrtägiger Brandvernichtete einen erheblichen Teil der Stadt. Viele Einwohnerflüchteten aus Furcht vor einer preußischen Beschießung. An diesewurde jedoch einstweilen nicht gedacht, da der Geschützpark sich erstin Danzig bildete. Marschall Macdonald hatte sich inzwischen, umder großen Armee näher zu sein, mit der Division Grandjean überJakobstadt nach Dünaburg begeben. Dort blieb er fast zweiMonate lang untätig stehen, obschon Napoleon ihn wiederholt zumÜberschreiten der Düna drängte, an der nach dem Rückzüge derrussischen Hauptarmee nur das Korps Wittgenstein zurückgebliebenwar. Auch die Aussicht auf die Mitwirkung Oudinots vom linkenFlügel der großen Armee her und von Teilen des VictorschenKorps, das sich inzwischen hinter der Armee bei Tilsit versammelte,brachten ihn nicht zu kühneren Entschlüssen. Er ließ sogar Oudinot ,

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