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1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
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Gefechte von Kliwenhof und Dahlenkirchen

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mit mehr als der doppelten Stärke herankam. Der Angriff er-folgte im Morgennebel von zwei Seiten her, längs der RigaerStraße am Südufer der Düna gegen die Front und über die aufFelsriffen durchwatbare Düna sowie die Insel Dahlen hinweg inden Rücken der preußischen Stellung. Nach äußerst hartnäckigemWiderstand zog Horn über Gange gegen die Hauptmacht bei Olaiab. Er hatte mehr als die Hälfte seiner Leute, nämlich 26 Offi-ziere, 775 Mann verloren. Dennoch gereichte dies blutige Gefechtvon Dahlenkirchen den Truppen zur hohen Ehre. Überraschtund von Übermacht angegriffen, hatten sie sich unerschrocken mitgroßer Standhaftigkeit und Umsicht geschlagen.

Ein gleichzeitiger Vorstoß der Russen gegen das Hauptkorpsbei Olai mißglückte unter erheblichem Verluste für sie; dagegenmußte der preußische Posten bei Schlock seine Stellung neuerdingsvor großer Übermacht räumen. Er zog geschickt teils auf Tuckum,teils gegen Mitau hinab. Die Russen folgten nur bis Dahlen-kirchen und Schlock. Vorübergehend wurde der erste Ort baldwieder von den Preußen besetzt, dann aber der rechte Flügel bisTomoschna zurückgezogen, weil der Belagerungspark von 130 Ge-schützen bei Ruhental westlich von Bauske einzutreffen begann. Zuseinem Schutze galt es nunmehr, die Truppen enger zusammen-zuhalten. Schlock, das die Russen verlassen, wurde wieder besetzt.

In den nächsten Wochen trat bis auf kleine Scharmützel undVorpostenneckereien Rnhe ein. Am 23. September kam die Nach-richt von Napoleons Einzug in Moskau , um die gleiche Zeit trafjedoch auf russischer Seite das Korps des Grafen Steinheil, dasin Finnland verfügbar geworden war, auf dem Seewege bei Riga ein. Es sollte die Festung entsetzen, den Belagerungspark fort-nehmen und zugleich Macdonald an der Düna von Wittgensteinablenken. Im ganzen standen dazu außer den Besatzungen vonRiga und Dünamünde 22000 Mann zu Gebote, erheblich weniger,als Kaiser Alexander glaubte. Trotzdem ging Graf Steinheil vor,und es kam nunmehr größere Bewegung in die kriegerischen Er-eignisse. Unter Entsendung schwacher Abteilungen gegen Schlockund Mitau brach die russische Hauptmacht am 26. September vonneuem über Dahlenkirchen vor, warf unter wiederholten Gefechtendie preußischen Vortruppen und Horns rechte Flügelabteilungzurück und richtete ihren Marsch am 27. auf Bauske, somit denBelagerungspark ernsthaft bedrohend. (S. Skizze 20.) Schnell