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1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
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III. Die Wiedererhebung

Die fünftägigen Gefechte, die zuweilen in ihrer GesamtheitalsSchlacht von Bauske" bezeichnet werden, hatten eine fürdiesen Feldzug ungewöhnliche Hartnäckigkeit gezeigt. Die Preußenverloren 42 Offiziere 1177 Mann; doch fielen im ganzen 2500Gefangene in ihre Gewalt, und der Gesamtverlust der Russen kannzu 45000 Mann veranschlagt werden. Jorcks Umsicht undTatkraft verdankten die Preußen neben ihrer Tapferkeit den Erfolg.Der russische Vorstoß gegen den Belagerungspark war an derZersplitterung der Kräfte und dem Mangel einheitlicher Handlunggescheitert. Selbst Napoleon mußte die soldatische Tüchtigkeit desihm so wenig sympathischen Jorck unumwunden anerkennen.

Merkwürdigerweise sollte das russische Unternehmen dennochfür die eigene Sache zu einem Vorteil führen. Macdonald, be-unruhigt über das Schicksal des preußischen Korps, war auf dieNachricht vom Vorbrechen der Russen mit dem größten Teil derDivision Grandjean von Dünaburg herbeigeeilt, während anderer-seits Steinheil am ö. Oktober mit 8200 Mann und 18 Geschützenvon Riga zu Wittgenstein abrückte und diesen verstärkte. An derDüna erlangten die Russen daher nicht nur das entschiedene Über-gewicht, sondern auch die Freiheit der Bewegung. So kamWittgenstein in die Lage, den äußersten linken Flügel der großenArmee erfolgreich anzugreifen und später für des Kaisers Rückzugvon Moskau gefährlich zu werden. Obwohl Macdonald am8. Oktober von Steinheils Abmarsch Kenntnis erhielt, benachrichtigteer den bei Polozk an Stelle des verwundeten Oudinot jetztkommandierenden General St. Cyr nicht einmal von der ihmdrohenden Gefahr. Er blieb vor Riga gebannt. Dort befahl er,daß das preußische Korps wieder in die alten ausgedehnten undgefährdeten Stellungen vorgehen, die Division Grandjean die Dünazwischen Jakobstadt und Friedrichstadt sichern sollte. Der Be-lagerungspark wurde auf Napoleons Geheiß nach Memel undTilsit zurückgeschafft.

Aorck erhob Vorstellungen gegen die Zersplitterung seinerTruppen, aber erst als die Russen am 16. und 17. ihre Unter-nehmungen, zumal bei Dahlenkirchen, wieder aufnahmen und neueGefechte folgten, gab der Marschall endlich nach und gestatteteAorck eine engere Versammlung hinter der Eckau und Aa. Am27. Oktober trafen auch noch einige Verstärkungen an Artillerie ein.

Bis gegen die Mitte November herrschte verhältnismäßige