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III. Die Wiedererhebung
Unerwartete Zwischenfälle, die dem Kühnen meist begegnen,kamen ihm zu Hilfe. Macdonald hatte sein ganzes 10. Korpsbei Janischki versammeln wollen, um geschlossen weiterzumarschieren.Als Jorck aber nach einem schwierigen Nachtmarsche von vierMeilen bei 24" Kälte zu Kalwe ankam, hatte Macdonald seinenEntschluß geändert und war weiter marschiert. Jorck fand nurden Befehl vor, nachzurücken. Der Vorsprung, den der Marschallgewonnen, ließ sich nun nicht mehr einholen. Zum zweiten Malewollte derselbe bei Tauroggen Halt machen, um alle Kräftedort zu vereinigen und, wenn nötig, schlagen zu können. Bisdahin sollte jedes vereinzelte Gefecht vermieden werden. Aber selbstbei Tauroggen blieb Macdonald, obwohl er Jorck seine Absichtmitgeteilt hatte, nicht stehen, sondern marschierte ohne Aufenthaltnach Tilsit weiter. Wenn die Eile sich auch aus den Umständenerklärte, so konnte Jorck sich doch bis zu einem gewissen Gradeals im Stiche gelassen ansehen. Seine Lage war dabei um sobedenklicher, als er den gesamten Troß mit sich zu schleppen undzu schützen hatte, die Märsche sich aber bei der eintretenden Kälteimmer furchtbarer gestalteten. Leicht konnte den Seinen völligerUntergang drohen. Nur ein Jorck vermochte sie zu retten, derMann, der „scharf war wie gehacktes Eisen", zugleich aber einwarmes fürsorgendes Herz für die Truppen besaß.
Die geheimen Verhandlungen zwischen Russen und Preußenvor Riga hatten früh begonnen und während der Dauer des Feld-zuges nie ganz aufgehört. Sie wurden jetzt von russischer Seitemit großem Geschick wieder aufgenommen. Wittgenstein eilte mitseinem Armeeslügel gegen den Riemen heran, und es gelang ihm,schwache Abteilungen in den Raum hineinzuschieben, der Jorck undMacdonald trennte. Jorck sah am 25. bereits bei Koltynjany durchden russischen General Diebitsch seinen Rückzug, verlegt, währendMacdonald sich am 26. den Zugang nach Tilsit , wohin er jetzt inkleinen Märschen weiterrückte, durch ein Gefecht bei Piktupöneneröffnen mußte. (S. Skizze 21.) Er traf dort schon russischeAbteilungen des Generals Kutusow , die, südlich des Niemen an-rückend, ihm bei Tilsit zuvorgekommen waren. Freilich hätte auchJorck sich den Weg gewaltsam bahnen können, aber der Anlaß,den inneren Wünschen seines glühenden patriotischen Herzens zufolgen, war ihm gegeben.
Im Verlaufe des Feldzuges soll er einmal eine vertrauliche