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1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
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Die Konvention von Tauroggen

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Der Zeitpunkt muß aber schnell benutzt werden. Jetzt oder nieist der Moment, Freiheit, Unabhängigkeit und Größe wieder zuerlangen." Nach der Tat war also das Bewußtsein von derenBedeutung dem General vollkommen erwacht. Ganz entflammtvon der Idee der Befreiung und der Wiederaufrichtung des Vater-landes eilte er, der vor dem Kriege Generalgouverneur von Ost-preußen gewesen war, mit einigen Truppen nach Königsberg vorausund traf dort am 8. Januar ein. Sogleich ergriff er selbständigeMaßregeln, sein Korps durch Einstellung von Rekruten wieder aufden früheren Stand zu bringen. Die großen Tage Ostpreußens brachen an. Die Provinz hatte am meisten durch die Kriege ge-litten; sie war von den befreundeten Russen fast ebenso ver-wüstet und ausgesogen worden, als von den Franzosen. Aber jenenahten jetzt als Befreier, und das von ihnen angetane Leid warvergesfen. Gegen die Franzosen und ihren Kaiser, die alles ge-schehene Unheil heraufbeschworen hatten, richtete sich der ganzeglühende Haß des Volkes, bei dem die Nachricht von der Kon-vention von Tauroggen die höchste Erregung und einen nachhaltigenEifer für die Sache des Krieges hervorrief.

Der Oberpräsident Auerswald, die RegierungspräsidentenSchön aus Gumbinnen und Wißmann von Marienwerder warenzur Stelle. Freilich zögerten sie noch, eine bewaffnete Erhebungeinzuleiten, solange der König keinerlei Zeichen dazu gegeben hatte.Bei ihnen, wie zuvor bei Jorck, mochte auch wohl das ernste Be-denken aufsteigen, daß sie durch ein zu schnelles und kühnes Vor-gehen die Person Friedrich Wilhelms III. in Gefahr bringenkonnten.

Am 22. Januar aber brachte Steins Erscheinen iu Königs-berg die Ereignisse in Fluß. Er kam als Träger einer Vollmachtdes Zaren, wonach er bis zuni Abschlüsse eines endgültigen Ver-trages mit dem Könige die Leitung der Behörden übernehmen unddie Kräfte des Landes zur Unterstützung des Kampfes gegenFrankreich nutzbar machen sollte. Als er in seinem Feuereifer andie buchstäbliche Ausführung dieser Vollmacht ging, als er anfing,die öffentlichen Kassen zum Zwecke der russischen Kriegführung mitBeschlag zu belegen, als er dann weiterhin den Behörden denVerkehr mit der preußischen Regierung verbot und von Jorck ver-langte, daß er mit den Russen sogleich gemeinsame Sache mache,stieß er freilich trotz seines hohen Ansehens und der Autorität, die