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1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
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III. Die Wiedererhebung

23. Februar stand endlich der Entschluß zum Bündnis mit Ruß-land fest, das am 27. nach langen Verhandlungen in Kalisch unter-zeichnet wurde. Dies war vornehmlich Scharnhorsts Verdienst,den der König ins russische Hauptquartier entsendet hatte, undder auf die energische Fortsetzung der Angriffbewegung drang.Freilich hatte er, trotz Steins Anwesenheit und Hilfe, nurhalben Erfolg. Kutusow , der russische Oberbefehlshaber, körper-lich gebrechlich, von der Furcht vor Napoleon erfüllt, besorgt wegender weiten Entfernung von den heimischen Hilfsquellen und derUnsicherheit der polnischen Verhältnisse, widerstrebte. Noch warenim Rücken der Verbündeten Danzig, Thorn, Modlin und Zamosz in französischen Händen. Zu ihrer Belagerung fehlte es anschwerem Geschütz und Munition. In den Kriegsvorbereitungenwar Napoleon den Verbündeten voraus. An diesen rächten sichjetzt die Unterlassungssünden der letzten Monate. Erst im Märzwurden in Schlesien zehn preußische Reservebataillone fertig, zehnweitere im April. Man zweifelte, ob man die Oder überschreitendürfe, und dachte an Verteidigungsmaßregeln längs der Wartheund Weichsel . Schließlich wurde der Vormarsch gegen die Elbevereinbart, doch ohne die von Scharnhorst gewünschte Schnelligkeitder Ausführung.

Yorck, Bülow und Borstell sollten unter Wittgensteins Befehltreten, sich aber noch der Feindseligkeiten gegen die Franzosen ent-halten. Blücher wurde am 28. Februar an die Spitze derschlesischen Truppen gestellt. Auch dabei hatte Scharnhorst denAusschlag gegeben; denn Kalckreuth, Rüchel, Tauentzien und sogarL'Estocq wurden gleichfalls genannt und wie wichtig war dieWahl in diesem Augenblick. Sie gebührte dem einzigen General,der sich vor Napoleon nicht fürchtete. Das russische KorpsWintzingerode wurde Blücher unterstellt.

Eine dritte Gruppe hatte die sogenannte russische Hauptarmeevon Kalisch unter Tormassow zu bilden; ihre Avantgarde stand, jetztunter Miloradowitsch, vor Glogau .

Wittgenstein erhielt die Richtung auf Berlin und Magdeburg hinter Eugen, Blücher diejenige auf Dresden hinter den bei Kalischgeschlagenen Franzosen her. Die Hauptarmee sollte langsamfolgen; für die spätere Einschließung der Oderfestungen durchpommersche und schlesische Reservetruppen sowie durch russischeMilizen wurde gesorgt.