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1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
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Friedrich Wilhelms III. abwartende Haltung

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bei Napoleon verdächtig zu machen und zum bedingungslosenAnschluß an den östlichen Bundesgenossen zu zwingen. Die Hoff-nung auf Zugeständnisse Napoleons , die dem Könige einen System-wechsel erspart und das Land von den drückendsten Lastenbefreit hätte, wollte nicht schwinden. Österreichs Zurückhal-tung vermehrte die Unentschlossenheit. Nicht zu übersehen ist,daß auch die Meinungen seiner Ratgeber geteilt waren. Sosprachen Hatzfeld und der durch seine Verteidigung von Danzig zu einem nicht voll berechtigten Ansehen gelangte Kalckreuth gegenden Krieg und für die Fortsetzung des Bündnisses mit Frankreich .Andere, wie der in des Königs Vertrauen mehr und mehr steigendeKnesebeck, hielten den Anschluß an Rußland nur für ratsam, so-bald man Österreichs sicher sei. Auch sie also wollten abwarten,und das war der Standpunkt, dem der König am meisten zuneigte.

Militärische Bedenken kamen hinzu. Es liegt in der Naturder strategischen Verteidigung, in die Napoleon jetzt zurückgedrängtwar, daß sie stärker wird, je mehr sie sich den heimischen Hilfsquellennähert. Das größte Beispiel dieser Art, das der Russen von 1312,lag frisch und lebendig vor aller Augen. Am Rhein oder gar imInnern Frankreichs würde Napoleon weit stärker als im OstenDeutschlands sein, so dachte der König. Gegen Ende des ver-flossenen Jahres hatte er selbst in einem Aufsatze niedergeschrieben,daß es wohl am besten sei, wenn Rußland die Weichsel gar nichtüberschreite; dort müsse es Napoleon erwarten und sogar wiedervor ihm nach Litauen zurückweichen. Erst, wenn er von neuemgeschwächt wäre, dürfe das preußische Hilfskorps abfallen; dannerst könnten auch die Truppen in Pommern und Schlesien wirk-sam gegen seine Flanken eingreifen.

Nachdem Schwarzenbergs seitlicher Rückzug bekannt gewordenwar und den russischen Hauptkräften der Weg nach Schlesien offenstand, so daß wenigstens mit ihnen die ungestörte Verbindung ge-sichert erschien, begann sich die Umstimmung beim Könige zuvollziehen.

Längst hatte der Zar dringend zum Anschlüsse aufgefordert,Napoleon dagegen jede Unterhandlung mit Rußland , selbst übereine Neutralisierung Schlesiens, untersagt. Am 12. Februar be-fahl König Friedrich Wilhelm III. daher schweren Herzens dieMobilmachung der schlesischen und pommerschen Truppen. Dannwurde der Rückzug der Franzosen zur Oder bekannt. Am