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1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
Entstehung
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III. Die Wiedererhcbung

höheren Stände, die von der Verpflichtung zum persönlichenWaffendienste auch jetzt noch immer gesetzlich befreit waren, für dasHeer nutzbar zu machen, war am 3. Februar die Verordnung überdie Bildung von freiwilligen Jägerdetachements bei allen Truppen-teilen ergangen. Aus Rücksicht auf Napoleon trug sie nicht desKönigs, sondern nur Hardenbergs Unterschrift. Es war die ersteaußerhalb der bestehenden Heereseinrichtungen liegende und daheraugenscheinlich gegen Frankreich gerichtete Maßregel. ZahlreicheMeldungen beantworteten sie wider des Königs Erwarten. Einwichtiger Schritt zur sozialen Hebung des Soldatenstandes vollzogsich damit. Am 9. Februar folgte endlich die Aufhebung der Aus-nahmen von der Kantonpflicht, die fchon unmittelbar nach denNiederlagen von Jena und Auerstedt aus Magdeburg oder Berlin hätte verfügt werden sollen.

Je weiter die französische Armee zurückwich, desto mehr stiegdie Aufregung im Lande. Abordnungen aus allen Teilen desStaates bestürmten den König, das erlösende Wort zu sprechen.Auch aus der Armee wurden immer mehr Stimmen laut, um ihnvorwärts zu drängen. Nicht nur Blücher, sondern auch Bülowund Borstell ermannten sich zu ernsten Vorstellungen. Aber dasVertrauen zur Kraft und zum festen Willen des Volkes kam demKönige nur ganz allmählich. Noch hielt er eine Verordnung fürnotwendig, die mit schweren vermögensrechtlichen und bürgerlichenNachteilen die Versuche derjenigen bedrohte, welche etwa sich oderihre Angehörigen den Wirkungen des Erlasses vom 9. Februar zuentziehen versuchen sollten.

Durch Krusemarck und Hatzfeld , der dem französischen Kaisereine besonders genehme Persönlichkeit war, wurde während desJanuar und Februar fast unausgesetzt in Paris verhandelt. BeideTeile waren dabei bestrebt, die Entscheidung hinauszuschieben.Napoleon leitete der natürliche Wunsch, mit seinen Rüstungen zurFortsetzung des Krieges, zu der er fest entschlossen war, vorerstfertig zu werden. Beim Könige wirkte die Abneigung gegen denKrieg überhaupt, der Mangel an Zutrauen zu sich selbst und zumVolke, die Scheu vor der zu übernehmenden ungeheuren Verant-wortung. Auch die Sorge vor der russischen Begehrlichkeit undeine Überschätzung der russischen Kräfte waren von Einfluß. MitRecht sah der König die russischen Bemühungen, Jorck mit sichvorwärts in den Kampf zu ziehen, für einen Versuch an, ihn selbst