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1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
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Rückzug der Franzosen bis hinter die Elbe

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Besuch ab. Bei Kalisch erschien die russische Hauptarmee, freilichnur noch 45 000 Mann stark. Ihre Avantgarde, von Wintzingerode geführt, hatte am 13. Februar die Sachsen unter Reynier von dortvertrieben und war ihnen gefolgt, als sie sich auf Glogau zurück-zogen. Unter diesen Umständen wurde auch die Oderlinie von denFranzosen aufgegeben, und der Vizekönig sammelte alles, was eran Truppen zu erreichen vermochte, gegen Ende des Monats beiBerlin . Dort hoffte er zunächst, sich halten zu können, änderteaber seinen Sinn und ging über Wittenberg am 6. März hinterdie Elbe zurück, an der er 60 000 Mann vereinigte. Sein Haupt-quartier nahm er in Leipzig . Russen und Preußen besetzten dieMarken, und die Kosaken, von fliegenden Kolonnen gefolgt,schwärmten durch Norddeutschland gegen Hamburg .

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Der russische Nachstoß hatte also bis zur Elbe gereicht, undDorcks selbständige Handlungsweise wesentlich dazu beigetragen.Alles kam jetzt auf Preußens schnellen Entschluß und sein kräftigesEingreifen an.

Einem solchen stand des Königs Zweifelsinn, ja seine ganze,zum Zögern und zu düsterer Auffassung der Dinge neigendeNatur im Wege. Das Drängen der patriotisch gesinnten Männerzum Losbruch beunruhigte ihn; das revolutionäre Element, dasdurch die allgemeine Volkserhebung hindurchschimmerte, erschienihm bedenklich. Er rang sich schwer zum Vertrauen auf die Kraftund Nachhaltigkeit der ganzen Bewegung hindurch. Den Vorschlagdes Aufrufes von Freiwilligen beantwortete er nach seiner Art, inabgerissenen Sätzen zu sprechen, anfänglich mit dem skeptischen:Schöne Sache aber keine kommen." Der materielle Notstandlegte der Volksbewaffnung überall Fesseln an. Nur langsam undnach und nach folgten die Maßnahmen der Regierung. Am28. Januar war in Breslau dasKommissarium wegen Ver-mehrung der Armee" eingesetzt worden, an dessen Spitze Harden-berg, Scharnhorst und der Kriegsminister Hake standen. Da aberder Bruch mit Napoleon damals noch keineswegs beschlossen war,so hatten zunächst nur geringfügige und der bestehenden Heeres-verfassung angepaßte Rüstungen vorgenommen werden können. DerGeldmangel zwang dazu,die Verpflegung, die Ausrüstung, dieStellungder Pferde usw. vom Lande zu fordern. Um die wohlhabenderen

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