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III. Die Wiedererhebung
Eugen gelang es, aus den erreichbaren Trümmern bei Posenvier schwache Divisionen und eine Kavalleriebrigade, im ganzen16 000 Mann mit 27 Kanonen, zu vereinigen, und er hoffte, wiees des Kaisers Wunsch war, dort schon der Verfolgung Halt ge-bieten zu können. Österreich und Preußen aber hatten inzwischendie Forderung Napoleons , neue Kontingente zu stellen, abgelehnt.Schwarzenberg war mit den österreichischen Truppen auf Krakau zurückgegangen. Er schloß mit den Russen ein Abkommen undentblößte so die rechte Flanke der Franzosen .
König Friedrich Wilhelm III. hatte sich unterdessen, wie schonbekannt, in der zweiten Hälfte des Januar mit den märkischenTruppen nach Schlesien begeben und am 25. die Regierung nachBreslau verlegt. Dort erstand also im Rücken der Franzosen einneuer Gegner, denn auch in Schlesien ward jetzt lebhaft gerüstet.Kosakenschwärme folgten in breiter Front über die untere Weichsel ,dann Wittgensteins russische rechte Flügelarmee und hinter ihrJorck. Von Pommern drohte gleichfalls Gefahr, und im ganzenLande begann die Gärung unverkennbar, je mehr die KönigsbergerVorgänge bekannt wurden. Napoleons Unklugheit, Preußen biszum letzten Augenblick erniedrigend zu behandeln, begann ihreFrüchte zu tragen. „Ich werde das Schwingen, Klingen undRingen dieser Morgenröte deutscher Freiheit, diesen so leuchtendenAufgang eines neuen jungen Lebens nimmer vergessen," schriebErnst Moritz Arndt in jenen Tagen. Der Osten Deutschlands war dem allgemeinen Erwachen nahe.
Unter diesen Umständen fühlte der Vizekönig sich bei Posennicht sicher. Am 12. Februar rückte er weiter zur Oder ab. Nachdes Kaisers Meinung hätte er sich vorwärts dieses Stromesbei Küstrin ausstellen und ihn offensiv verteidigen sollen. Eswäre wohl möglich gewesen, dort 35 000 Mann zusammenzu-bringen. Die Verfolger, weit zerstreut, und nach der Zurück-lassung von Beobachtungstruppen vor den von den Franzosennoch besetzten Festungen nur wenig zahlreich, hätten sich schwer-lich sogleich zu einem ernsten Angriff entschlossen. Aber zuso kühnen Plänen vermochte sich des Kaisers Stiefsohn nicht auf-zuschwingen. Ihm fehlten Erfahrung und Tatkraft dazu. Zudemwirkte der Schrecken der russischen Katastrophe noch nach. DesKaisers Mahnungen kamen zu spät. Am 20. Februar stattetenbereits die Kosaken der preußischen Hauptstadt einen ersten kurzen