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1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
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Beschlüsse des ostpreußischen Geiierallandtages

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ähnliches. Seinem Mißfallen gab er entschiedenen Ausdruck,aber der Gang der Ereignisse versöhnte ihn mit dem Unabänder-lichen. Die Vorbereitungen zur Aufstellung der neuen Truppenwaren sofort getroffen worden, und die ostpreußischen Landwehrenkonnten zuerst zur Verwendung kommen. Das war auf alle Fälleein großer Vorteil. Die Zurückhaltung des Königs, der nochimmer gefürchtet hatte, daß ein vorzeitiger Losbruch alles verderbenund die von ihm für Preußen aus den Ereignissen erwarteten Ver-günstigungen unmöglich machen könne, wich nur allmählich. Nm soHeller strahlt Aorcks und seiner Landsleute Verdienst; vom Zugeihrer Seelen fortgerissen, zeigten sie sich hier als große und weit-blickende Patrioten.

Die Festlandssperre hatte Stein bereits aufgehoben, und diedadurch aus ihrer Not befreite Kaufmannschaft bewilligte 300000Taler für die Ausrüstung und Verstärkung des Jorckschen Korps.Außer den schon einberufenen 6000 Rekruten waren ihm noch13 000 frische bewilligt worden. Die Landwehr sollte 20 000 Mannstark sein. Jorck zog nunmehr auch seine Truppen sämtlich nachKönigsberg vor und setzte sich mit Bülow, der die immobilenTruppen östlich der Weichsel kommandierte, zu gemeinsamem Handelnin Verbindung. Auch Bülow zog Rekruten, Pferde und Materialan sich, beantwortete die Aufforderung der Franzosen zur Teil-nahme an der Weichselverteidigung ausweichend und rückte schließ-lich, auf seine Selbständigkeit bedacht, nach Pommern ab, woGeneral v. Borstell die Truppen der Provinz bei Kolberg ver-sammelte.

Am 8. Februar kapitulierte Pillau , die erste Festung, welchedie Franzosen auf dem Kriegsschauplatze verloren.

6. Rückzug der Franzosen hinter die <LlbeDie Rüstungen Preußens

Unter diesen Umständen war auch an eine erfolgreiche Weichsel-verteidigung für die Franzosen nicht mehr zu denken, und Muratging weiter auf Posen zurück. Dort legte er am 16. Januarsein Kommando nieder und übergab es dem Vizekönige von Italien Eugen Beauharnais, Napoleons Stiefsohn. Tags darauf reisteer ab.

Frhr. v> d> Goltz, Kriegsgeschichte 15