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IV. Die Befreiungskriege
bei Groß-Görschen starke Artillerie und überschüttete sie mit hef-tigem Feuer. Dann setzte er seine letzten Reserven ein, nahmRahna und Klein-Görschen zum zweiten Male und drang sogarmit seiner braven Infanterie in Caja ein.
Der Sieg schien sich auf die Seite der Verbündeten zu neigenund ein großer erster Erfolg hätte wirklich errungen werden können,wenn die starke Kavallerie des linken Flügels jetzt in den Zwischen-raum zwischen Starrsiedel und dem Dörferviereck sich auf die ge-schlagenen Franzosen geworfen hätte. Doch sie versäumte die kost-bare Gelegenheit. —
Drüben hatte bisher nur das Korps Neys gefochten. Eswar Napoleons Art, das Gewicht der Schlacht lange auf derzuerst angegriffenen Truppe ruhen zu lassen, sollte sie selbst zurSchlacke ausbrennen. Inzwischen versammelte er seine übrigenKräfte gegen Flügel, Flanke oder gar Rücken des Feindes, umdaun zum gewaltigen Entscheidungsstoße vorzugehen. So mußteauch hier bei Groß-Görschen Neys Korps ihm als Wellenbrecherdienen. Er fand bei seinem Erscheinen noch eine Division vonNey unverbraucht, Marmont znr Rechten, die Garde bereits hintersich. Ein neuer allgemeiner französischer Angriff begann. Wittgen-stein sah ihm mit Besorgnis entgegen, denn die Hauptarmee warnoch immer nicht heran. Er hielt daher Berg und Jorck zurück,so daß Blücher allein die Wucht des kommenden Stoßes auszu-halten hatte. Caja ging bald verloren, und wie von einer mächtigenWoge wurden seine erschöpften Truppen wieder auf Groß-Görschenzurückgeschwemmt. Selbst ein Teil dieses Dorfes geriet in Feindes-hand, der andere wurde mit Mühe behauptet. Voll Zuversichtharrten der General und sein treuer Scharnhorst aus. Bei diesemwar das Feuer erwacht, das auf dem Grunde seiner Seele glimmte.„Es schien ihm nichts zu entgehen, er ordnete an, machte Blücherauf mancherlei aufmerksam und veranlaßte mehrfache Verände-rungen bei den Truppen." „Blücher hielt meist in der größtenRuhe an mehr oder minder gefährlichen Stellen, unermüdlich feinePfeife rauchend. War sie ausgeraucht, fo streckte er sie hintersich und rief: ,Schmidts worauf feine Ordonnanz ihm einefrischgestopfte reichte und der alte Herr gemütlich weiterrauchte."Nur der unerschütterlichen Ruhe beider Männer war es zu ver-danken, daß die Truppen nicht gänzlich wichen und die Schlachtbis 4 Uhr nachmittags auf der Stelle stand. Freilich war auch