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So nahe man einander gegenüber gestanden hatte, herrschtedoch hüben und drüben Unklarheit über Stellung und Verteilungder Kräfte. Die französische Kavallerie hatte ihrer Schwäche halberkeine gründliche Aufklärung schaffen können; die Verbündete wurdenicht gebraucht, wie es geschehen sollte. Lange Staubwolken aufder Weißenfels -Leipziger Straße deuteten den Verbündeten an, daßdie französische Armee dort, gegen Süden hin anscheinend ungedeckt,im Marsche sei. Das lud zum schnellen Vorstoße ein, um sie inder rechten Flanke oder gar am Ende zu fassen und ihr wo-möglich den Rückzug auf Lützen zu nehmen. Wittgenstein befahldas Antreten. Im letzten Augenblick erst, etwa um 12^ Uhrmittags, als seine Streitkräfte bis auf Kanonenschußweite anGroß-Görschen herangerückt waren, wurden dort starke französischeTruppenmassen entdeckt, die man zunächst als die Nachhut desFeindes ansah. Nun vollzog die Armee noch eine Rechtsschwen-kung und eröffnete sodann den Angriff. Es gingen indessenzunächst viel zu schwache Kräfte vor, nämlich nur eine Brigadevom Blücherschen Korps. In dem Dörferviereck und dem vonGärten und Pflanzungen bedeckten inneren Raume stand zurZeit eine Division vom Neyschen Korps und General Keller-manns Reiterei, zusammen gegen 13 000 Mann. Trotz dieserÜberlegenheit stürmten die Preußen nach heißem Kainpfe Groß-Görschen. Inzwischen überraschte zur Linken die preußische Ka-vallerie bei Starrsiedel erscheinende feindliche Massen, die sich zu ent-wickeln begannen, jetzt aber schnell in das Dorf zurückwichen. Leiderwar ein entschlossener Angriff auf dieselben unterblieben, und auchWittgenstein unterließ es, Starrsiedel wegnehmen zu lassen, um sodie linke Flanke seines Angriffs sicherzustellen. Über dieser Zögerunggewann Marmont die Zeit, nach Starrsiedel heranzurücken, unddie dort befindlichen Kräfte vom Neyschen Korps vermochten sichden Verteidigern des Dörfervierecks anzuschließen. In diesem wurdeder Kampf immer ernster. Nach und nach zog er den größten Teilvon Blüchers Truppen an, denen es, freilich unter großen An-strengungen, gelang, auch Nahna und Klein-Görschen zu erobern.Die Franzosen wichen auf Caja zurück. Das geschah etwa um1 Uhr, als Ney bei den Seinen eintraf und, nun über alleDivisionen seines Korps verfügend, sofort zum Gegenangriff schritt.Rahna und Klein-Görschen gingen für die Preußen wieder verloren,und lebhaft drängten die Franzosen nach; doch vereinigte Blücher