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1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
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IV. Die Befreiungskriege

der zum Kampfplatz diente, waren die Truppen arg durcheinandergekommen. Die Dunkelheit ließ den Kampf allmählich ersterben,die brennenden Dörfer erleuchteten die Wahlstatt. Zur Rechtenhatten sich die Russen nur noch mit Mühe des Vizekönigs erwehrt,ebenso Bertrands zur Linken bei Starrsiedel. Blücher, Jorck undBerg sammelten ihre Truppen hinter Groß-Görschen.

Als Caja zum letzten Male umstritten wurde, war KönigFriedrich Wilhelm III. dort erschienen, von seinen Truppen mitJubel begrüßt. Dann ritt er nach dem Monarchenhügel zurückund begab sich mit Kaiser Alexander in der Dunkelheit wiedernach Groitzsch . Beide Monarchen lebten in der Hoffnung, dieSchlacht am anderen Morgen erneuern zu können. Der Königsandte Nachricht über einen errungenen Sieg nach Berlin . Erfaßte mehr und mehr Vertrauen zur Tüchtigkeit seines neuenHeeres. Schon am Vormittage hatte er beim Anblick der Truppengesagt:Nun mag es in Gottes Namen werden, wie es will, einAuerstedt wird es nicht."

Wittgenstein rief inzwischen um 9 Uhr die Generale zu einerBeratung auf den Monarchenhügel zusammen, und der Rückzugwurde beschlossen. In der Tat war auch nichts anderes möglich,denn am nächsten Tage konnte Napoleon das ganze Gewicht seinerÜberlegenheit fühlbar machen und selbst den noch nicht eingetroffenenLauriston mit seinem Korps heranrufen. Die Verbündeten konntennur noch, wenn sie blieben, ihre Niederlage herbeiführen.

Blücher allein, der immer Unerschrockene und Unverdrossene,widersprach. Nach seiner Meinung sollte das vergossene Blut nichtumsonst geflossen sein. Er wollte mit der vereinigten Kavallerietrotz Einbruchs der Nacht noch über den Feind herfallen und ihnvom Schlachtfelde verjagen. Die russische Reiterei indessen ver-weigerte ihre Teilnahme an dem tollkühnen Versuch. So kam es,daß nur neun Schwadronen unter Oberst v. Dolffs bei Rahnavorüber den Feind attackierten. Es gelang ihnen, die Franzosenzu überraschen. Marschall Marmont mußte in ein zurückgehendesKarree flüchten; große Verwirrung entstand. Die französischenBataillone feuerten in der Dunkelheit aufeinander. Aber um eineWendung im Schicksal der Schlacht herbeizuführen, waren dieeingesetzten Kräfte zu schwach. Der Erfolg blieb ein vorüber-gehender; doch mag er mitgewirkt haben, die Franzosen zum Nach-setzen am andern Morgen untüchtig zu machen.