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1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
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Ausgang der Schlacht

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Wenn der erste große Kampf der neuen Armee gegen denUnterdrücker nicht von einem Siege gekrönt wurde, so trug daran,abgesehen von der Überzahl der Feinde, vor allen Dingen derMangel an einheitlicher und sicherer Führung der Truppen dieSchuld.Die Idee der Schlacht war gut, die Anlage warschlecht." Durch ungeschickte Maßregeln und überlanges Zögernhatten die Verbündeten den rechten Zeitpunkt zur Überraschung desGegners, auf die der Gedanke der Schlacht gebaut war, versäumt.Das tropfenweise Einsetzen der Streitkräfte ermöglichte Napoleon ,seine Überlegenheit heranzuholen, ehe ein entscheidendes Unglückbeim Neyschen Korps geschehen war. Die Verwirrung in der Be-fehlsführung tat das übrige.Es kommandierte in der Schlachtvon Groß-Görschen niemand oder vielmehr jedermann." Oft hatteKaiser Alexander eingegriffen, jedesmal aber, ohne sich mit Wittgen-stein zu verständigen. Dieser, der im Jahre zuvor sein Heer ander Düna mit Erfolg geführt, fühlte sich durch seines Herrn undGebieters Anwesenheit beengt und brachte seinen Willen nicht be-stimmt genug zum Ausdruck. Die Übermacht an Kavallerie undArtillerie war bei weitem nicht hinreichend ausgenutzt worden.Zumal blieb Wintzingerode auf dem linken Flügel fast vollkommenuntätig.

Schlimmer noch wäre es den Verbündeten wohl ergangen,wenn Napoleon nicht allzustreng an seinem Grundsatze der engenVersammlung der Massen vor der Schlacht festgehalten hätte,sondern die Garden mit Macdonald weiter östlich herumgreifendin die rechte, Bertrand mehr südlich in die linke Flanke Wittgen-steins entsandt hätte.

Und dennoch war die Schlacht von Groß-Görschen ein Gewinnsür die Verbündeten. Der blutige Tag hatte sie einander nähergebracht. Die Tapferkeit der Preußen erweckte das Staunen unddie Achtung der russischen Bundesgenossen. Die jungen Truppenhatten an Selbstvertrauen, Heer und Volk an Zuversicht gewonnen.Die Streiter von Groß-Görschen waren keineswegs niedergebeugt,sondern trugen die bestimmte Empfindung von ihrer moralischenund physischen Überlegenheit über die bisherigen Unterdrücker alsErnte des blutigen Tages davon. Die Hoffnung auf den endlichenglücklichen Ausgang des ganzen Krieges schlug selbst in zaghaftenSeelen Wurzel.

Auch der Feind hatte seine Fehler begangen. Neys Sorg-