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1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
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IV. Die Befreiungskriege

losigkeit hätte fast die von den Verbündeten beabsichtigte Über-raschung gelingen lassen. Seine Truppen waren anfangs nichtversammelt und mußten nach und nach eingesetzt werden. Sokam es, daß sein starkes Korps bald nach vier Uhr nachmittagsverbraucht war. Bertraud und der Vizekönig versagten insofern,als sie auf Befehle warteten und darum verspätet auf dem Schlacht-felde erschienen. Die jungen Soldaten schlugen sich freilich gut,und ihres Kaisers Genius hatte die Mängel an Eigenschaften beider Unterführung des Heeres wieder einmal ausgeglichen. DieVerluste waren auf französischer Seite sehr bedeutend. Sie be-liefen sich auf 22 000 Mann, darunter allein 15000 vom NehschenKorps. 9 Generale waren tot und verwundet. Geschütze warennicht erobert worden und nur wenig unverwundete Gefangene indie Hand der Sieger gefallen. Die Einbuße der Verbündeten be-trug nur 11500 Mann, also etwa die Hälfte, und es ist wohl zuermessen, daß die Eindrücke davon den Stolz und die Haltung derTruppe gehoben haben.

Rückzug der Verbündeten hinter die Elbe und Spree

Die Preußen sollten auf Meißen, die Russen auf Dresden zurückgehen, Kleist von Würzen auf Mühlberg weichen und Bülow,der, bei Groß-Görschen unbeteiligt, zwischen Dessau und Köthen stand, die Elbe bei Roßlau überschreiten, um Berlin und dieMarken zu decken. Er rückte in die Gegend nordöstlich vonWittenberg und später zum Schutze der Hauptstadt in die LinieTrebbinMittenwalde ab.

Am 3. Mai erfolgte zunächst, von den Franzosen unbelästigt,der Abzug des Heeres bei Pegau über die Elster und am Abend noch,nördlich von Altenburg, über die Pleiße. Miloradowitsch zog sich anden linken Flügel der Armee wieder heran. Trotz mancherleiKreuzungen in den Kolonnen und Stockungen im Marsch war dieHaltung der Truppen eine gute; keinerlei Trophäen blieben in desFeindes Hand. Am 4. Mai ging die Armee hinter die ZwickauerMulde ; Blücher feuerte seine Truppen durch eine kräftige volks-tümliche Rede an und erklärte jeden, der von Rückzug spräche,für einenHundsfott". Scharnhorst hatte ihn zu seinem Schmerzeverlassen müssen, aber in Gneisenau, der sich selbst freilich tiefunter diesen stellte, sollte er einen vortrefflichen Ersatzmann finden.