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1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
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IV. Die Befreiungskriege

daß Napoleons gegenwärtige Offensive bei einer so weiten Fort-setzung durch die Erschöpfung seiner Truppen zum Stehen kommenmußte. Dann war der Zeitpunkt für Österreich gekommen, wirksamin feinem Rücken einzugreifen. Aber von Österreichs Haltung hingdabei alles ab, und vielleicht hätte es gehandelt, wie Preußen 1805und 1809. Damit wäre der Feldzug am Ende doch verlorenworden und eine zweite Erhebung unmöglich gewesen. So siegteder Gedanke ob, vereint und Österreich nahe zu bleiben. Die Ver-bündeten entschlossen sich zum Rückzug hinter die obere Spree aufBautzen. Die Preußen schlugen wieder die östliche Richtung nachKönigsbrück ein, während die Russen Bischofswerda erreichten.

Die Monarchen eilten nach Bautzen voraus. Dort mußte inden nächsten Tagen Barclay von Thorn her mit Verstärkungeneintreffen. Der Entschluß zu einer neuen Schlacht wurde gefaßt.Anfangs sollte sie an der Spree selbst geschlagen werden, aber beinäherer Untersuchung des Geländes ergab sich, daß der Flußlaufschwer zu verteidigen wäre. Seine Tiefe bildete kein wesentlichesHindernis; er war vielfach zu durchwaten. Das linke Ufer überhöhtteilweise das rechte; die vielen Furten und Krümmungen ließen sichschwer überwachen, die Bewegungsfreiheit war am Flußlaufe selbstfür den Verteidiger beengt. So ward beschlossen, die Schlacht-stellung auf den Höhen vier Kilometer hinter der Stadt zu nehmen.Sie sollte dort mit dem rechten Flügel an die Teiche von Preititzuud Pließkowitz gelehnt werden, nach Süden über die KreckwitzerHöhen laufen und sich mit dem linken Flügel bis in die waldigenVorberge des Lausitzer Grenzgebirges erstrecken. Auch diese Stellunghatte ihre Mängel, aber eine bessere war nicht zu finden undweiterer Rückzug bedenklich. An der Spree wollten die Verbündetennur eine leichte Verteidigung mit den Nachhuttruppen führen, umdem Feinde den Übergang zu erschweren. Ein solches Beginnenhat freilich oft den Vorteil, daß der Feind seine Kräfte dort schonzum großen Teile verbraucht, führt aber leicht den Nachteil herbei,daß der Verteidiger überhaupt in den Kampf um die vorwärts ge-legene Linie gezogen wird und seine Schlacht in einem Geländeschlägt, wo er es nicht wollte.

Ein besonderer Nachteil war, daß gegen den rechten Flügelhin nördlich von Bautzen die vorwärts gelegene uud die Haupt-stellung ineinander übergingen, hier also nur eine Linie gehaltenwerden konnte. Dazu kam, daß Kaiser Alexander, der bei der