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1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
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Gefechte von Schmiedefeld, Bischofswerda und Göda

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Führung meist den Ausschlag gab, Napoleons Angriff auf demlinken Flügel am Gebirge und nicht auf dem rechten erwartete.Auch war die Schlachtlinie verhältnismäßig lang. Sie maß zweideutsche Meilen; das war zu viel, selbst für die nach Barclays Eintreffen auf rund 100000 Mann mit 600 Geschützen anwachsendeArmee. Verschanzungen sollten diesem Mangel abhelfen. In dennächsten Tagen rückten Russen und Preußen in die gewählte Stellungein. Am 13. kam auch Kleist, der über Großenhain gefolgt war,und am 16. Barclay heran. Miloradowitsch führte inzwischen dieNachhut und bestand am 11. und 12. Mai bei Schmiedefeld und Bischofswerda, am 15. bei Göda neue Gefechte gegenMacdonalds nachdrängendes Korps. An der Spree blieben beimÜbergange die Nachhuttruppen stehen.

Langsam folgte der Kaiser. Zwar waren die vorderstenTruppen unmittelbar hinter den Russen über die Elbe gegangen,aber die übrigen befanden sich noch weit zurück. Ney blieb ausgleichem Grunde bei Torgau stehen. Auch zögerten die Sachsen,bis ein Ultimatum des Kaisers an ihren König die Tore derFestung öffnete. Der Bau einer Kriegsbrücke dicht unterhalbDresdens wurde erst durch Miloradowitschs Nachhut aufgehaltenund dann durch Hochwasser verhindert. Eine Notbrücke in derStadt Dresden kam am 10. zustande, tags darauf gingen diebeiden Heeresgruppen hier und bei Torgau über die Elbe . Sohatten die 125 Kilometer vom Schlachtfelde von Groß-Görschenbis zur Elbe den Kaiser neun Tage gekostet, das heißt fast ebensovielZeit, wie 1806 der Marsch von der Saale bis vor die Tore Berlins .Die Rücksicht auf den inneren Zustand der jungen Milizarmee,als die sich Napoleons Heer im Frühjahr 1813 darstellt, zwangden Kaiser, auch nach dem Überschreiten der Elbe die Bewegungenzunächst zu verlangsamen. Zahlreiche Nachzügler folgten dem Heereund mußten abgewartet, die Verpflegung und der Etappendienstgeordnet werden. Hierzu kam die Ungewißheit über den Verbleibdes Feindes, der durch seine überlegene Reiterei alle Bewegungenverschleierte. Der Kaiser nahm an, daß die Preußen sich aufBerlin gewandt hätten, und Ney erhielt am 13. Mai früh ent-sprechende Befehle. Dann kam in der Nacht zum 14. die Kunde,daß Preußen und Russen auf Bautzen zurückgegangen seien. Dievon rückwärts herankommenden Verstärkungen sollten überdies dieschon eingetretenen starken Verluste ersetzen, ehe weiteres geschah.

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