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1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
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Blücher aus den Kreckwitzer Höhen

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Ordnung, freilich in beiden Flanken von Neys und MarmontsArtillerie lebhaft kanoniert.

Um vier Uhr nachmittags war die Schlacht für die Ver-bündeten verloren. Einer Erneuerung des Widerstandes hinterdem Albrechtsbach bei Klein-Bautzen und Purschwitz erwies sichdas Gelände zu Blüchers Schmerz nicht günstig. In nieder-geschlagener Stimmung setzte er sich dort zur kurzen Rast aufeinen Stein, bis der Befehl zum allgemeinen Rückzüge bei ihmeintraf. Auch Kaiser Alexander hatte sich schwer entschlossen,seine Zustimmung zu erteilen; denn der linke Flügel, den er fürden wichtigeren gehalten, hatte glücklich gefochten und war in sieg-reichem Vordringen. Allein er fügte sich doch dem Zwange derallgemeinen Lage und ordnete das Abbrechen des Kampfes an.Barclay, Blücher, Jorck und Kleist schlugen die Richtung aufWeißenberg, die Russen diejenige auf Löbau ein. Ein Gewitter-regen und die starke Kavallerie hinderten die kräftige Verfolgungdurch den Feind. Napoleon kam mit seinem Heere wenig überdas Schlachtfeld hinaus bis nach Wurschen und Drehsa. DerKampf hatte seine Truppen ermattet und die feste Haltung derVerbündeten weitere Erfolge unmöglich gemacht.

Wohl hatte er einen Sieg erfochten, aber nicht den entschei-denden, auf den er hoffte. Die Verluste waren wiederum un-verhältnismäßig hart. Sie betrugen 7000 Tote, 14S00 Ver-wundete und 3700 Vermißte, von denen nur 800 Gefangene inFeindeshand gefallen waren. An 3000 Flüchtige wurden an derElbe aufgegriffen, ein übles Zeichen für die Mannszucht im Heere.Groß war der Abgang an höheren Führern. Drei Generaleblieben tot, zwei schwer und sieben leicht verwundet auf dem Platze.Die Einbuße der Verbündeten belief sich auf 10 350 Mann imganzen, von denen 2791 auf Blüchers Korps entfielen.

Die Schlacht von Bautzen hätte eine vernichtende Niederlagewerden können, wie die vom 3. Juli 1866 für die Österreicher.Allein der Versuch des Kaisers mit dem Anmarsch auf getrenntenLinien und der Vereinigung auf dem Schlachtfelde selbst, mit demer, den vorangegangenen Umständen folgend, der kriegshistorischenEntwicklung seiner Zeit vorausgeeilt war, mißglückte, weil Neyversagt hatte. Das waren die Früchte der Erziehung der Generaledurch den Kaiser selbst, der bis dahin für sie gedacht und gehandelthatte und nur Gehorsam verlangte, nicht aber Selbständigkeit.