268 IV- Die Befreiungskriege
Die Fehler der Verbündeten hätten das Werk der Zerstörungerleichtert. Ihr starres Festhalten an der Verteidigung ließ viekostbare Gelegenheit zum erfolgreichen Gegenstoße sowohl, als auchdie zum rechtzeitigen Ausweichen vor der Umfassung verstreichen.Dazu kam der Mangel an Tatkraft in der Abwehr Neys und derIrrtum über den Punkt, wo die Entscheidung lag. In der höchstenFührung während der Schlacht hatte, wie bei Groß-Görschen, Ein-heit und Klarheit gefehlt.
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Am Morgen des 22. Mai setzten die Verbündeten aus denbeiden Gruppen, in denen sie, durch zehn Kilometer getrennt,während der Nacht hinter dem Löbauer Wasser gestanden, denRückzug zunächst auf Görlitz und dann in den folgenden Tagenauf zwei getrennten Straßen fort. Die nördliche Gruppe marschierteüber Bunzlau, Hainau auf Liegnitz , die südliche über Löwenbergauf Goldberg. Sie waren noch 45000 und 40 000 Mann stark.Barclay übernahm an Wittgensteins Stelle den gemeinsamen Ober-befehl. Die Franzosen vereinigten auf dem Schlachtfelde bis zumAbend noch 144 000 Mann.
Schwer war die Entscheidung, was weiterhin geschehen solle.Barclay, ein General von festem und vornehmem Charakter, abersehr methodischen Ansichten, glaubte vor allem, die russische Armeevon Grund aus neu ordnen zu müssen. Das konnte in Napoleons Gegenwart auf schlesischem Boden nicht vorgenommen werden. Erwünschte daher den Rückzug nach Polen hinein. Dem widerstrebtendie preußischen Generale aufs äußerste. Sie hatten schon hinterGörlitz stehen bleiben wollen. Sowohl die preußische wie auch dierussische Kavallerie warf dort die feindliche glücklich zurück. Napoleon hatte vor der russischen Nachhut an der Landskrone bei Görlitz dieVerfolgung eingestellt, weil er erkannte, daß Bautzen ebensowenigwie Groß-Görschen die Widerstandskraft der Verbündeten gebrochenhabe. „Keinen Kanonennagel" hatte er zn seinem großen Verdruß ihnenbei der Verfolgung abnehmen können. Schon der Weitermarschvon der Görlitzer Neiße zum Queiß verstimmte das BlücherscheHauptquartier stark. Jorck blickte vollkommen düster in dieZukunft. Ruhe war den Truppen dringend nötig, nicht ein un-aufhörlicher Rückmarsch. Nun war man für den Notfall ent-schlossen, sich selbst von den Russen zu trennen, aber den heimischen