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IV. Die Befreiungskriege
Das Prinzip der Vorsicht, das zu Trachenberg nur derschwächsten, der schlesischen Armee, als Richtschnur gegeben wurde,war nach Radetzkys Meinung auf alle drei Heere auszudehnen.Selbst wenn der Kaiser sich in der Verteidigung hielt, sollten nurdie Nord- und die schlesische Armee vorgehen, die böhmische aberabwarten, bis deren Einwirkung den Feind zur Teilung der Streit-kräfte veranlaßt haben würde.
Mit solchen Änderungen ging der Trachenberger Entwurf andie Monarchen nach Reichenbach zurück und ward angenommen,um eine Einigung zu erzielen und zum Abschlüsse zu kommen.
Danach wurde als Grundsatz für die verbündeten Heere auf-gestellt, mit den Hauptkräften gegen die Flanken und die Straßenim Rücken des Feindes vorzugehen, feine Verbindungen zu unter-brechen, aber auszuweichen, wenn er dann mit versammelten Kräftenerschien, und eine Schlacht nur zu wagen, falls die Überlegenheitentschieden auf ihrer Seite wäre.
Wendete er sich gegen eine der Armeen, so sollte diese sogleichden Rückzug antreten, während die anderen wieder lebhaft vor-gingen. So dachte man des Kaisers Kräfte allmählich zu er-schöpfen, nicht mit großen Schlägen zu vernichten.
Man ist versucht, das Bild des Ebers zu brauchen, der vonden Bracken umstellt ist, die den Stößen seiner Fänge ausweichen,sich aber an seinen Rücken und seine Seiten hängen, um ihn inzwecklosen Anstrengungen sich selbst zu Tode mühen zu lassen.
So wenig ein solches Beginnen im Hinblick auf die beider-seitigen Stärkeverhältnisse und die Natur der fechtenden Truppenunserer heutigen Auffassung entspricht, hat es doch zu Napoleons Niederlage geführt. Es stellte zwei Umstände klug in Rechnung:Napoleons große Überlegenheit als Führer in der Schlacht, diedamit unwirksam gemacht wurde, und die geringe Solidität seinerTruppen, die sich in dem Hin und Her zwischen den feindlichenGruppen aufzehren mußten, wenn diese nur zweckmäßig handelten.
Wie anders als die strategischen Abmachungen der Verbündeten,klar, einfach und schlagend war des Kaisers Plan. Auf ein Vor-gehen gegen die Österreicher in Böhmen verzichtete er, da er nichtimstande gewesen wäre, sie bis zur Auflösung zu verfolgen, und ernur einen Luftstoß geführt, zugleich aber die Elbe , sowie Norddeutsch-land aufgegeben hätte. Daß seine Gegner dort die Hauptarmeebilden würden, hat er nicht vorausgesehen. Auch ein Vorstoß gegen