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1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
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Napoleons Kriegsplan

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Schlesien , dem die Verbündeten wieder ausweichen konnten, ver-sprach nicht zum Ziele zu führen. Von der Elbe durfte er sichnicht endgültig trennen. Sie ersetzte ihm mit ihren Plätzen und dendarin aufgehäuften Vorräten, als Quelle der Kraft, das eigeneLand und bildete die starke Sehne des Bogens, auf dem, vonMecklenburg über Schlesien nach Böhmen hin, ihn seine Feinde um-gaben. Sie wurde die Basis seiner Operationen. Hamburg undDresden sollten deren sichere Stützpunkte an den Enden bilden,Magdeburg, Torgau und Wittenberg beide verbinden, ein neuerPlatz an der Havelmündung und ein anderer an der des Plauen -schen Kanals die Basis noch verstärken. So dürfte er, ohne Sorge,sie zu verlieren, seinen Feinden, wo sie sich näherten, entgegengehen, um sie zu schlagen.

Auf diese Art wollte er zum ersten Male in seinem Feld-herrnleben eine Verteidigung durchführen, aber eine tätige Ver-teidigung großen Stils zwischen den feindlichen Heeresgruppen, wiesie vor ihm Friedrich im Siebenjährigen Kriege und alle Heer-führer ersten Ranges da geführt hatten, wo sie ans die Abwehr be-schränkt waren. Die offensive Ergänzung sollte dieser Verteidigungnicht fehlen. Sie bestand in der Wiederaufnahme seines erstenEntwurfes vom Frühjahr, in einem Vorgehen auf und über Berlin .Nur sollte es jetzt nicht die Hauptarmee sein, die diesen Wegnahm, sondern die Nebenarmee Oudinots, das 4., 7. und IS.Armeekorps mit dem 3. Kavalleriekorps, die sich schon auf demWege dahin befand. Von Hamburg her sollte Davout und vonMagdeburg aus das neu gebildete Zwischenkorps Girard sieunterstützen. 110000 Mann hätten auf diese Art zum einheit-lichen Zwecke und gegen das gleiche Ziel Berlin , wennauch auf verschiedenen Straßen und von verschiedenen Entfernungenher zusammengewirkt. Der Kaiser rechnete mit Sicherheit auf einGelingen. Allein gerade hier lag die Schwäche seines Planes.Sein Haß gegen Preußen, der Wunsch, Berlin zu besetzen, ließenihn über die Schwierigkeit hinwegsehen, welche das Zusammen-wirken der drei Heerteile unter anderer Führung als der seinigenhaben mußte. Zudem unterschätzte er den moralischen Wert sowiedie Stärke der ihm im Norden gegenüberstehenden Feinde.

Seine Hauptkräfte hatten während des Vorstoßes die übrigenfeindlichen Heere in Schach zu halten, Dresden und die Elbliniezu schützen.