Einbruch der böhmischen Armee in Sachsen
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sächlich am 22. August in vier Kolonnen unter Wittgenstein, Kleist,Hessen-Homburg nnd Gyulai das Erzgebirge überschritten. Siewandte sich westlich erst gegen Leipzig, um auf Napoleons rück-wärtige Verbindungen zu drücken; dann, als sie sich von der Un-wirksamkeit dieser Richtung überzeugte, auf Dresden zu. Nach kurzemKampfe mit Wittgensteins Avantgarde bei Pirna zog St. Cyr sichabends auf die sächsische Hauptstadt zurück.
Dieser Einbruch in Sachsen gab den Verbündeten für denAugenblick die Herrschaft über den Gang der Operationen, limsie zu behaupten kam es aber darauf an, Napoleon durch Schnellig-keit zu übertreffen. Das geschah indessen nicht. Erst am 25.trafen sie vor dem nahen Dresden ein, ohne an diesem wich-tigen Tage, der ungenützt verloren ging, anzugreifen. IhreKräfte waren noch weit zerstreut und von den 230000 Manu,die über das Erzgebirge gegangen, nur 70 000 Mann zur Stelle.Von Wittgensteins Truppen war ein Teil unter dem Herzog Eugenvon Württemberg vor Pirna und dem Königstein geblieben. Dieübrigen hatten Seidnitz erreicht; die Avantgarde stand noch weitergegen Dresden hin. Kleist traf bei Leubnitz ein, links vor ihm dievordersten Divisionen der Kolonne Hessen-Homburg , während dieHauptkräfte noch bei Dippoldiswalde zurück waren. Der linkeFlügel der Österreicher unter Gyulai blieb bei Freiberg , und diepreußisch-russischen Garden und Reserven befanden sich noch imErzgebirge oder gar an dessen Südfuß.
Verschanzungen deckten die Stadt, die von St. Cyr mit dreiDivisionen verteidigt wurden, während er die vierte beim Königstein bereitstellte. Erst am 26. schritten die Verbündeten zum Angriff.Den langatmigen Dispositionen des Fürsten Schwarzenberg aberfehlte die drängende Energie, die der Augenblick erfordert hätte.Schon war es zu spät, um den für Napoleon vernichtenden Schlagzu tun.
Nach unerhörten Marschleistungen war der Kaiser mit seinenStreitkräften aus Schlesien an der Elbe eingetroffen. Unterwegshatte er seine anfängliche Absicht geändert und einen Plan gefaßt,der an die besten Jahre seiner Laufbahn erinnerte. St. Cyr, nurvon Vandamme unterstützt, sollte Dresden behaupten. Der Kaiserselbst wollte Stolpen erreichen, in der Nacht vom 26. zum27. August die Elbe bei Königstein überschreiten und am 27. mit100000 Mann südlich Pirna auf der Straße nach Böhmen im