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1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
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IV. Die Befreiungskriege

eilte er die Lager seiner siegreichen Truppen, um ihre Stellungen zumustern. Die Aussichten für den nächsten Morgen waren die günstigsten.

Den Verbündeten ging die Nachricht zu, daß es Vandammegelungen sei, bei Pirna die Elbe zu überschreiten, und daß die ihnbeobachtenden russischen Truppen des Herzogs Eugen von Württem-berg im heftigen Feuer stünden. Seine Meldung fand aber überden Aufregungen des Tages nicht die gehörige Würdigung. Erblieb ohne Unterstützung und mußte am Abend nach einem Ver-luste vou 1800 Mann in eine Stellung bei Zehista an der Gott-leube südlich Pirna zurückweichen, um den Rücken der vor Dresden kämpfenden Armee zu sichern.

Im Hauptquartier der Monarchen wurde an ein Zurückgehennach Dippoldiswalde gedacht, von wo aus neueManöver" be-ginnen sollten. Aber es kam nicht dazu, sondern am Ende nurzu dem wenig klaren Entschlüsse, auf den Höhen vor Dresden stehen zu bleiben. Die Verfassung der Armee war traurig. Esmangelte an Verpflegung, die Ermüdung war groß, das Vertrauenzur Führung verloren gegangen. Um Mitternacht öffnete derHimmel seine Schleusen und machte es unmöglich, Lagerfeuer zuunterhalten.

Auf französischer Seite trafen in der Nacht Victor undMarmont auf dem Schlachtfelde ein, und Napoleon versammelteam frühen Morgen des 27., noch immer bei strömendem Regen,seine Armee, nunmehr schon 147 000 Mann stark in den wieder-gewonnenen Stellungen. Zur Rechten stand Murat mit 39000Mann, nämlich dem Korps Victor, der Division Teste und demKavalleriekorps Latour zwischen der Weißeritz und Elbe . In derMitte Hielt die alte und junge Garde, Marmont und St. Cyr unter Ney, 81000 Mann und zur Linken Mortier mit jungerGarde und die Kavallerie von Nansouty , an 27 000 Mann.

Des Kaisers Absicht war es, wenn die Verbündeten stehenbleiben sollten, sie in der Mitte festzuhalten, auf den beiden Flügelnaber anzugreifen, um ihnen die beiden besten, hinter diesen ge-legenen Straßen nach Böhmen, die Pirnaer und die Freiberger,zu rauben und sie auf die dazwischen gelegenen schlechten Berg-wege zu drängen. So hoffte er ihre Auflösung zu beschleunigenund sie zugleich von den anderen Heeren zu trennen. Der Planwar um so verwegener, als des Kaisers Heer den Verbündetengegenüber noch immer in der Minderzahl war.