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1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
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Murats Angriff am zweiten Schlachttage 293

Gegenüber stand Wittgenstein mit 23 900 Mann zwischenReick und Leubnitz , seine Avantgarde deckte bei Gruhna die PirnaerStraße. Neben ihm dehnte sich Kleist bis nach Mockritz aus, dieÖsterreicher waren zwischen Räcknitz und Plauen entwickelt. Imganzen zählte diese Mitte des Heeres 91000 Mann. Den Raumzwischen der tief eingeschnittenen Weißeritz und der Elbe hielten24000 Mann von Gyulai und Klenau. Der größte Teil des KorpsKlenau stand noch weit zurück und wirkte zunächst nicht mit.

Die russisch -preußischen Garden und Reserven, 27 000 Mann,vermochten erst um Mittag hinter der Mitte einzutreffen.

Napoleon wählte seinen Standpunkt bei Lunette IV. Balderkannte er den Fehler in der Stellung seiner Gegner, nämlich dieSchwäche des österreichischen linken Flügels. Dort mußte nach ein-leitender Kanonade Murat angreifen, während die starke Mitte derVerbündeten durch lebhafte Tätigkeit so beschäftigt wurde, daß sieden Angegriffenen nicht zu Hilfe zu eilen vermochte.

Murats Vorstoß hatte vollen Erfolg. Geschickt benutzte er dievon der Elbe her aufsteigenden Gründe und Schluchten, um seineGegner von Hause aus mit großen Reitermassen in der linkenFlanke zu umgehen, noch ehe der entscheidende Schlag erfolgte. Alsdieser auf des Kaisers erneuten Befehl um 2 Uhr nachmittagsbegann, gelang es dem Marschall Victor, das Dorf Gorbitz zunehmen und die österreichische Linie zu durchbrechen, währendMurat im Rücken auftauchte und über sie herfiel, als sie zurück-wich. Der fortwährende Regen hatte alles Pulver durchnäßt unddie Gewehre unbenutzbar gemacht. Der Tag gehörte der Kavallerie.Die fast wehrlosen, durch Hunger und Märsche erschöpften öster-reichischen Bataillone streckten nach kurzem Kampfe die Waffen.Der linke Flügel der Verbündeten war damit vernichtet und dieFlanke der westlich der Weißeritz stehenden Kräfte entblößt. DenPlauenfchen Grund überschritt Murat jedoch nicht mehr, um jenedirekt anzugreifen.

In der Mitte hielten die Österreicher und Preußen stand.Zschertnitz und Räcknitz gegenüber verhielt sich Marmont im ganzenabwartend. Nur die Kanonade rollte unaufhörlich. Bei Leubnitz dagegen griff St. Cyr vom Großen Garten her wiederholt kräftigan; doch wies ihn Kleist jedesmal unter starken Verlusten zurück.

Die äußerste Rechte der Verbündeten aber wurde von Mortierebenso geworfen, wie die Linke von Murat. Wenn der Kampf