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1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
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Napoleons Versagen nach der Schlacht von Dresden

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sonst. Er ließ sogar nach einiger Zeit die alte Garde nach Dresden umkehren und die junge Garde bei Pirna halten. Dann kehrteer selbst nach Dresden zurück, als er keine feindlichen Truppenmehr wahrnahm. Vandamme allein ging energisch vor, auf desKaisers Hilfe vertrauend, aber gerade darum dem Verderben entgegen.Nur geringe Verstärkungen waren ihm noch überwiesen worden.

Freiwillig hatte der Kaiser seinen Vorteil aus der Hand ge-geben, der vielleicht die Einleitung zur Beendigung des Kriegeshätte werden können. Zwar war ihm mittlerweile die Nachrichtvon der Niederlage seiner Marschälle in der Mark und in Schlesien geworden, aber das erklärt sein auffallendes Verhalten nicht. Geradediese Unglücksbotschaften hätten ihn doppelt antreiben sollen, dasÄußerste zu tun, um der böhmischen Armee das Garaus zu machenund danach freie Hand auf den anderen Teilen des Kriegsschau-platzes zu gewinnen. Unstreitig verstieß der Kaiser am 28. Augustgegen die eigenen Grundsätze, die er sich über den Krieg gebildetund die er so oft seinen Generalen anempfohlen hatte. DerFrieden zu Tilsit hatte den Zenit seines Ruhmes und seiner Größebezeichnet. Jetzt aber, wo er nur junge Truppen befehligte, wäredie Anspannung seines kriegerischen Genius zu den höchsten Leistungenmehr als je notwendig gewesen.

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Napoleons Versagen vom 28. zog sogleich eine weitere Nieder-lage nach sich. Vandamme drängte am 29. August den HerzogEugen und sein arg gelichtetes Korps unter neuen verlustreichenKämpfen von den Höhen des Erzgebirges in das Kulmer Talzurück. Ostermann war ihm mit der Gardedivision, die er glaubteunversehrt der Armee und seinem Kaiser zuführen zu müssen, schonvorausgeeilt und hatte Kulm bereits durchschritten, als KönigFriedrich Wilhelm III. ihn bei Priesten festhielt. Er hatte nachtsin Teplitz Meldung über das Vorgefallene erhalten und übersahsofort die Gefahr, in der die ganze Armee schwebte, wenn Oster-mann noch weiter zurückging. Dieser mußte Widerstand leisten;denn noch waren die Verbündeten nicht aus dem Erzgebirge heraus-getreten. Auch Zar Alexander befand sich in den Bergengen. Erhatte in Altenberg genächtigt. Bei Dippoldiswalde war der langerwartete österreichische Troß den Marschkolonnen entgegengekommenund die Verwirrung dadurch erhöht worden. Alle Wege wurden